
Sportlich dagegen lief es für Esterkamp, der im Sommer 2009 seinem Trainer Doug Spradley von den Paderborn Baskets in die Seestadt gefolgt war, nicht annähernd so gut. Zunächst setzte ihn ein Riss am Innenmeniskus über Monate außer Gefecht, anschließend musste ein Knorpelschaden behoben werden. Die anhaltenden Verletzungsprobleme führten dazu, dass der sympathische Amerikaner aus Ohio in anderthalb Jahren bei den Eisbären nicht ein einziges Pflichtspiel bestreiten konnte. Nur wenige Eisbären-Fans dürften sich noch daran erinnern, dass Torrell Martin einst geholt worden war, um für ein paar Monate für den verletzten Esterkamp einzuspringen.
Bereits in der Rückrunde der vergangenen Saison feierte der 30-Jährige ein gelungenes Comeback bei den ETB Wohnbau Baskets Essen, die er mit seinen Leistungen zum Klassenerhalt in der Pro A führte. Bevor Esterkamp nach Essen kam, hatte die Mannschaft in 17 Spielen nur einen Sieg geschafft. Mit Esterkamp holte die Mannschaft aus 13 Spielen neun Siege.
Der Wechsel zu einem unterklassigen Verein erwies sich dabei als Glücksfall: „Ich musste unbedingt zurück aufs Feld, um mir und anderen zu beweisen, dass ich wieder gesund bin. Dabei war mir die Liga egal. Essen hat mir diese Chance gegeben und dafür bin ich dankbar.“ Typisch Esterkamp diese Aussage: Bescheiden und respektvoll.
Im Sommer kehrte Esterkamp auf die große Basketball-Bühne zurück und unterschrieb einen Drei-Jahres-Vertrag in Ulm. Mit sechs Siegen aus acht Spielen sind die Schwaben hervorragend in die Saison gestartet, woran der 1,98 Meter große Flügelspieler mit im Schnitt 12,6 Punkten und 3,4 Rebounds pro Begegnung seinen Anteil hat. Im jungen Ulmer Team ist Esterkamp der älteste Spieler und von Trainer Thorsten Leibenath zum Kapitän bestimmt worden. „Ich bin ein großer Fan seiner Spielweise: Er ist abgeklärt, trifft gute Entscheidungen und wird unserem jungen Backcourt mit seiner Erfahrung gut tun“, verkündete Leibenath bei der Verpflichtung Esterkamps.
Dem 30-Jährigen macht diese Rolle viel Spaß. „Ich mag es, Verantwortung zu übernehmen. Dabei kommt mir entgegen, dass ich auf und außerhalb des Platzes kommunikativ bin“, erklärt Esterkamp. Ob die Ulmer endlich den ersehnten Einzug in die Playoffs schaffen können, darauf mag sich der gefährliche Dreierschütze nicht festlegen – und klingt mit dem Satz, er denke nur von Spiel zu Spiel, fast wie sein langjähriger Weggefährte Doug Spradley. Die Erfolge zum Saisonstart führt Esterkamp darauf zurück, dass „wir eine sehr uneigennützige Mannschaft haben, die gut zusammenspielt“.
Dass er vor knapp einem Jahr den Verein wechseln musste, um sein Comeback in Angriff zu nehmen, das ihm Spradley und Eisbären-Manager Jan Rathjen nicht mehr zugetraut haben, beschäftigt Esterkamp nicht mehr. „Ich schaue nur nach vorne und genieße es, wo ich bin. Die Dinge haben sich besser für mich entwickelt, als ich es geplant hatte. Darüber bin ich einfach glücklich“, sagt Esterkamp. (dir)
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