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Wird das Gas jetzt billiger?

Karlsruhe. Gaspreise sind beim Bundesgerichtshof (BGH) ein Dauerthema. Mehrfach haben die Karlsruher Richter Klauseln in sogenannten Sonderverträgen gekippt. Gestern war es wieder soweit: Erstmals urteilten sie zur umstrittenen Bindung des Gaspreises an das Heizöl – und erklärten eine entsprechende Klausel in Sonderkundenverträgen für unwirksam.

Einmal mehr war es ein Urteil zugunsten der Verbraucher: Denn laut BGH dürfen Gaspreise für Privatleute nicht ausschließlich vom Ölpreis abhängen. Wie sehr die Verbraucher allerdings von der Entscheidung profitieren, wird in der Branche höchst unterschiedlich bewertet.

Das unabhängige Verbraucherportal toptarif.de sieht wenig Chancen, dass infolge des Urteils die Gaspreise sinken. Zentrale Preisbildungsmechanismen – beispielsweise in langfristigen Lieferverträgen – blieben von dem Urteil völlig unberührt, so ein toptarif-Sprecher. Die Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW), Claudia Kemfert, sieht dagegen Chancen für sinkende Preise: Die Gastarife müssten sich künftig an dem Börsenpreis orientieren, der weit niedriger ist als der jetzt bezahlte, sagte sie.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sieht keine großen Auswirkungen des Urteils: „Wir gehen davon aus, dass nicht sehr viele Privathaushalte betroffen sind, weil es viele unterschiedliche Klauseln gibt“, sagte ein Verbandssprecher.

Ein BGH-Sprecher erwartet, dass die Versorger ihre Klauseln nun umstellen. Das hofft auch der Verbraucherzentrale Bundesverband. „Entscheidend ist, das wir mehr Wettbewerb in den Markt bekommen. Das BGH-Urteil hat die Bedingungen dafür verbessert“, so Vorstand Gerd Billen. „Diese Entscheidung ist ein wichtiger Schritt hin zu einer marktgerechten Preisbildung auf dem Gasmarkt“, meinte auch der Präsident von Haus&Grund, Rolf Kornemann.

Nach Einschätzung von Experten geht der Trend ohnehin weg von der Ölpreisbindung. Auch der Verbraucher selber könne den Wettbewerb anfachen, mahnte die Bundesnetzagentur. „Der Kunde sollte häufiger wechseln. Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, Druck auf die Branche auszuüben“, sagte ein Sprecher.

Heizölpreise steigen

Der lange und harte Winter kommt Mieter und Hausbesitzer demnächst teuer zu stehen. Die Heizöl-Tanks haben sich während der kalten Wintermonate geleert, viele Verbraucher müssen in den nächsten Wochen den Tankwagen bestellen. Und das wird teuer: Heizöl kostet so viel wie zuletzt im November 2008: um die 65 Euro je 100 Liter. Das macht bei einer typischen Kaufmenge von 3000 Litern fast 2000 Euro. Im Jahr 2009 lag der Preis meistens um mindestens zehn Euro tiefer, was eine Ersparnis von 300 Euro oder mehr bedeuten würde. (dpa)

Artikel vom 26.03.10 - 15:00 Uhr
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