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Warten, dass die Kobra verhungert


Mülheim. Der Kobra-Alarm im Ruhrgebiet ist zu Ende: Die tagelange Suche nach einer kleinen Giftschlange in Mülheim an der Ruhr wurde gestern Nachmittag abgebrochen. Die Helfer sahen trotz fieberhafter Bemühungen „keine Aussicht mehr auf Erfolg“. Das Haus wird verschlossen. Von Eva Gerten


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Vier Tage lang hatte sich die ruhige Gegend, wo der 19 Jahre alte Schlangenbesitzer wohnte, im Ausnahmezustand befunden, nachdem das hochgiftige Reptil aus seinem Terrarium entflohen war. Feuerwehren, Sanitäter mit Antiserum und Ordnungshüter hatten das Sträßchen abgesperrt. Viele Menschen kritisierten den 19 Jahre alten, wenig erfahrenen Halter, der die drei Monate alte Schlange – seine zweite – für 70 Euro auf einem Exoten-Markt erworben hatte, und forderten eine Lizenz für die Reptilien-Haltung.

Gestern kam das Technische Hilfswerk mit Endoskopen. Die Mini-Kameras lugten in jede Ritze. Doppel-Klebebänder wurden angebracht, an denen die fingerdicke 30-Zentimeter-Schlange haften bleiben sollte. Mehl wurde zwecks Spurensuche ausgestreut. Allein, sie blieb verschollen.

Erst am Sonnabend zuvor hatte die Monokelkobra in der Dachgeschosswohnung in der Kleiststraße ihr neues Heim bezogen – dem Vernehmen nach in einem Kasten, in dem eine PC-Lüftung das rechte Klima schaffen sollte. Durch diesen Ventilator soll die Kobra entschwunden sein, als er abgeschaltet war. Nachdem sie fort war, schlug der Besitzer Alarm. Schließlich wirkt das Gift des Tierchens binnen Stunden tödlich. Die Wohnung im Dachgeschoss wurde komplett ausgeräumt, Hab und Gut abtransportiert. Böden, Wände, Zwischendecken, alles freigelegt. Dach- und Bodenbalken liegen offen. Jeder Eimer Schutt wurde durchsiebt. Ein teurer Einsatz: Allein die Arbeit der Feuerwehr kostete 850 Euro pro Stunde, gar nicht zu reden von Entrümpler, Bauunternehmer und Möbeltransporter.

Für zwei Monate ausquartiert

Nachdem die Helfer entschieden hatten, die Suche zu beenden, versiegelten sie das Wohnhaus für acht Wochen. Klebebänder wurden ausgelegt. Einmal täglich geht die Feuerwehr auf Patrouille. Der Kobra droht der Hungertod. Für die anderen zwei Mietparteien bedeutet der Verschluss, dass sie sich für zwei Monate Ausweichquartiere suchen müssen – auf Kosten der Stadt. Ob der 19-Jährige die Kosten für den Einsatz übernehmen muss, wird geprüft.

Artikel vom 22.03.10 - 12:00 Uhr
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