
Denn Wale sind oft schwer zu sichten. Zum einen verbringen sie den größeren Teil der Zeit unter Wasser, zum anderen zeigen sie beim Auftauchen meist nur einen geringen Teil ihres Körpers, der sich farblich kaum vom umgebenden Wasser unterscheidet. Walbeobachter achten deshalb vor allem auf den Blas, der kondensierenden und relativ warmen Atemwolke der Wale. Sie erhebt sich, je nach Walart und Windbedingungen, zwischen einem und zehn Metern über die Wasseroberfläche und bleibt nur wenige Sekunden lang sichtbar.
Diese Wärme des Blas wird nun durch eine spezielle Wärmebildkamera genutzt, die zurzeit auf der „Polarstern“ während ihrer Arktis-Expedition im Einsatz ist. Das Messverfahren, die Infrarot-Thermographie, registriert sowohl am Tage als auch in der Nacht die von jedem Körper ausgehende Wärmestrahlung und stellt sie für den Menschen sichtbar auf dem Computer als Schwarzweißbild dar: Je heller ein Punkt, desto wärmer ist er. Der warme Blas der Wale hebt sich dabei vor dem Hintergrund des kalten Wassers des Nordatlantiks deutlich ab.
Doch die Wissenschaftler brauchen eine sehr spezielle Wärmebildkamera, um Wale von einem Schiff aus per Infrarot-Thermographie zu finden: Die Kamera muss rundum „sehen“ können, sie ist den ständigen Bewegungen des Schiffes unterworfen, und der Blas ist – möglicherweise in großer Entfernung – nur für etwa eine Sekunde sichtbar.
Dadurch ergeben sich besondere Anforderung an die Optik: Ähnlich wie bei der Tierfotografie ist eine Teleoptik mit höchster Empfindlichkeit notwendig. Wäre diese jedoch fest mit dem Schiff verbunden, würde die Kamera wegen der Schiffsbewegungen oft nur in den Himmel schauen. Doch dafür fand sich eine Lösung mit dem von Rheinmetall Defence Electronics neu entwickelten Wärmebildgeber. Das System, FIRST Navy, wurde während der Werftzeit im Juni auf einer hochstabilisierenden Plattform im Krähennest der „Polarstern“ in etwa 28 Metern Höhe installiert. Das System generiert pro Sekunde fünf thermographische Rundumbilder.
Wissenschafter vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) entwickeln jetzt eine Software, um diese Datenmengen automatisiert auszuwerten. „Wir freuen uns sehr, dass die Hardware des Systems erfolgreich auf ‚Polarstern‘ funktioniert. Die Software soll zukünftig die Bildfolgen nach Wal-Blas durchsuchen“, erklärt Dr. Olaf Boebel, Leiter der Forschungsgruppe Ozeanische Akustik am AWI. Er leitet das Forschungsprojekt MAPS (Marine Mammal Perimeter Surveillance: Beobachtung der Umgebung Mariner Säugetiere). Eines der Projektziele ist, eines Tages Schiffsführungen rechtzeitig auf die Meeressäuger hinzuweisen, damit die Schiffe ausweichen können.
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