Vom Irak-Krieg zur Krise
Washington. Ganze 18 Minuten: Nur solange brauchte US-Präsident Barack Obama, um in seiner Rede aus dem Oval Office zur besten Sendezeit einen Schlussstrich unter den Irak-Kampfeinsatz zu ziehen. Gleichzeitig machte der Präsident klar: Das irakische Volk muss nun selbst für seine Sicherheit sorgen. Denn die wichtigste Front ist nun für ihn, zwei Monate vor den Kongresswahlen, die Innenpolitik. Der Wirtschaftsaufschwung läßt weiter auf sich warten, und manche Experten fürchten sogar eine zweite Rezession. Von Friedemann Diederichs

Obama erklärt den Kampfeinsatz der USA im Irak für beendet. Der Krieg hat mehr als 4400 US-Soldaten das Leben gekostet. Foto dpa
Dass Obama an jenem Schreibtisch saß, von dem aus sein Vorgänger George W. Bush im März 2003 den Beginn der Irak-Invasion bekannt gegeben hatte, sollte das Gewicht des historischen Augenblicks unterstreichen – und symbolträchtig klar machen: Hier wurde ein wichtiges Wahlkampfversprechen Obamas eingehalten, der sich stets gegen den Irak-Krieg und die von Bush angeordneten Truppenverstärkungen ausgesprochen hatte. In seiner Rede reichte er dann einen Ölzweig in Richtung seines Vorgängers: Auch wenn man zum Krieg unterschiedlicher Meinung gewesen sein, so könne doch niemand die Unterstützung Bushs für die Truppen und die Sicherheit des Landes in Zweifel ziehen.
USA weiterhin in der Pflicht
Doch auch in Richtung Bagdad ging ein Signal: Der Kampfeinsatz sei zwar zu Ende, nicht aber die Verpflichtung der USA für die Sicherheit des Irak. Ende kommenden Jahres sollen dann aber auch die 50 000 Soldaten, die noch zu Ausbildungs- und Unterstützungszwecken bleiben, zurückgerufen werden. Das wäre das Ende eines Engagements, in dessen Bilanz bis heute auch mehr als 4400 tote US-Soldaten und rund 34 000 Verwundete stehen – von den Opfern auf irakischer Seite ganz zu schweigen. Der Dank an die Truppen war deshalb in der Rede unverzichtbar. Und deutlich machte Obama erneut, dass auch der Kampf in Afghanistan – dem er jetzt dank der freigewordenen Kapazitäten die volle Aufmerksamkeit widmen will – nicht ein unbegrenztes Abenteuer sein wird: „Ein Krieg ohne Ende dient weder unseren Interessen noch denen des afghanischen Volkes.“
Obamas größtes Interesse dürfte nun sein, die Amerikaner davon zu überzeugen, dass seine Initiativen zur Wirtschaftsankurbelung greifen. Bei den Demokraten herrscht nahezu Panik angesichts der Umfragen, die bei den November-Kongresswahlen enorme Erfolge der Konservativen in Aussicht stellen. Obama versuchte deshalb auch, einen Zusammengang zwischen dem Irak-Krieg und der Situation im Inland herzustellen: „Wir haben mehr als eine Billion Dollar im Krieg ausgegeben, oft finanziert mit geliehenem Geld aus dem Ausland.“ Dies habe notwendige Investitionen reduziert und zu Rekordschulden beigetragen. „Nun müssen diese Probleme in Angriff genommen werden.“ Lösungswege skizzierte Obama jedoch nicht - dazu mangelte es wohl an Zeit.