Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, verstand das Papier als klare Weisung. Es habe „Geltung für die ganze Kirche und ist eindeutig eine Botschaft auch an uns in Deutschland“. Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle äußerte, das Hirtenwort sei eine Bestärkung, „den Weg der konsequenten Aufklärung und Aufarbeitung weiterzugehen“.
Vielen bot das Schreiben dagegen zu wenige konkrete Ansätze. Die Initiative „Wir sind Kirche“ bedauerte, dass der Papst in seinem Hirtenbrief „nicht kirchliche Strukturen, sondern gesellschaftliche Tendenzen für das verstörende Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern verantwortlich machen“ wolle. Zudem sei es nicht ausreichend, als Initiativen nur traditionelle spirituelle Wege, aber keine strukturellen Verbesserungen – etwa in der Zölibatsfrage – vorzuschlagen. Der Brief vermittele den Eindruck, es gehe dem Papst hauptsächlich um das Ansehen der Kirche.
Auch die „Initiative Kirche von unten“ (IKvu) warf dem Papst vor, bei „verbaler Betroffenheit“ stehenzubleiben und sich auf der Einzeltäterthese auszuruhen. Die absichtliche Politik der katholischen Kirche bis in die höchsten Ebenen, Missbrauchs-Täter zu beschützen und damit Kinder zu gefährden, habe der Papst nicht angesprochen, hieß es beim irischen Opferverband „One in Four“. Opfer Andrew Madden erklärte, er habe keine Bestätigung gebraucht, dass Missbrauch eine Straftat und Sünde sei.
Derweil wird in den katholischen Bistümern Niedersachsens nach Kräften versucht, auch Fälle aufzuklären, die als verjährt gelten. Im niedersächsischen Teil des Bistums Münster wurden bislang sieben Fälle aus den Jahren 1930 bis 1980 öffentlich. Im Bistum Osnabrück und im Offizialat Vechta werden alte Personalakten durchgearbeitet. Hinweise auf aktuelle Fälle gebe es aber nicht.
Im Bistum Hildesheim gibt es Missbrauchsvorwürfe gegen vier noch lebende Geistliche. Die Zahl der Opfer liegt bei weit mehr als einem Dutzend.
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