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Und plötzlich steht ein Bagger im See


Schiffdorf. Der Friedheimer See ist ein Idyll. Die Fotografin Annelie Kuklinski hat ihn gepachtet und nimmt ihn als romantische Kulisse für ihre Aufnahmen. Doch am Dienstag war plötzlich die ganze Romantik futsch, weil ein gelber Bagger die Naturidylle störte. Von Barbara Fixy


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Ohne Genehmigung der Pächterin, der Eigentümer und des Landkreises sollte der Bagger den Friedheimer See ausbaggern. Die Anlieger hatten ihn geordert. Bei einem Ortstermin im August hatten sie ihre Befürchtung geäußert, dass der See verlandet und Fische sterben könnten. Foto fix

Weder Pächterin Kuklinski noch die Eigentümer hatten den Bagger bestellt. Kuklinski alarmierte die Polizei. Die kam umgehend und verfügte einen Baustopp. Dabei wurde deutlich, dass ein Vertreter der Anlieger des Sees den Bagger geordert haben musste.

Der Nachbar räumte auch tatsächlich der NORDSEE-ZEITUNG gegenüber ein: „Wir mussten es leider wieder abbrechen mit dem Bagger.“ Mehr wollte er dann aber doch nicht erzählen.

Landwirt Karsten Harrje war auskunftsfreudiger. „Die Anwohner sind wohl ein bisschen zu eifrig gewesen“, meinte er. Harrje vertritt die Eigentümer des Sees. Das sind die Besitzer der landwirtschaftlichen Flächen in Schiffdorf, die in einer Gemeinschaft der Teilungs- und Kopplungsinteressenten zusammengeschlossen sind.

Wie viele Personen sich als Eigner des Sees betrachten dürfen, vermag Harrje gar nicht zu sagen. Nur, dass immer rund 50 Leute zu den Versammlungen kommen. Der Vorsitzende betonte allerdings, dass der Baggereinsatz am See zum jetzigen Zeitpunkt auf gar keinen Fall im Sinne dieser Eigentümer und schon gar nicht im Sinne des Kreises war. Die Teilungs- und Kopplungsinteressenten hätten überhaupt erst im März 2011 gefragt werden müssen, wenn sie sich zu ihrer routinemäßigen Versammlung treffen.

Die ganze Sache geht zurück auf einen Ortstermin Mitte August, bei dem die Anlieger im Beisein des Schiffdorfer Bürgermeisters Klaus Wirth vorschlugen, den See auszubaggern. Sie befürchten, dass er verlandet und die Fische sterben könnten. Allerdings sei bei diesem Ortstermin auch ganz deutlich geworden, dass man nicht sofort den Bagger holen könne, sondern die Genehmigung des Landkreises einholen müsse, betont Harrje.

Die Anlieger hätten die Kosten für den Baggereinsatz übernehmen wollen und einen Voranschlag zur Gemeinde geschickt. Dort und in der Interessentengemeinschaft aber habe niemand damit gerechnet, dass nun gleich der Bagger auffahren würde.

„Das ist etwa so, als würde ich zu Ihnen nach Hause gehen und einfach die Tapeten abreißen“, machte Harrje deutlich, dass zunächst die Eigentümer und – ganz wichtig – Naturschutz- und Wasserbehörde beim Kreis hätten Ja sagen müssen. Bürgermeister Klaus Wirth bestätigte das.

Anlass für den illegalen Baggereinsatz war ein Vorgang, den alle in diesem brütend heißen Sommer beobachteten. Der Wasserspiegel des vier Hektar großen und knapp zwei Meter tiefen Sees fiel um 60 Zentimeter.

Naturschutzbehörde hellhörig

Eine kleine Sandbank, die dort immer zu sehen ist, trat noch deutlicher hervor. Laut Harrje nimmt die Naturschutzbehörde das durchaus in Kauf. Denn weil es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt, ist zunächst nur eins tabu: der Eingriff in dieses Öko-System. „Und während der Vegetationszeit ist ein Baggereinsatz schon gar nicht erlaubt“, ergänzte Harrje. Werner Rusch, Chef der Unteren Naturschutzbehörde in Cuxhaven, wurde denn auch ganz hellhörig, als er vom Baggereinsatz erfuhr: „Das werden wir uns mal ansehen.“

Pächterin Kuklinski will Anzeige erstatten. „Ich muss“, sagt die Fotografin. Denn sonst müsste sie noch damit rechnen, für die Folgen der illegalen Buddelei zu haften. Außerdem will sie jetzt den freien Zugang zum See sperren. Kuklinski: „Eigentlich schade.“


Artikel vom 03.09.10 - 12:00 Uhr
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