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Teuerste Dienstreise eines US-Präsidenten

Washington. Ein Begleittross von 3000 Personen, darunter 600 Secret-Service-Bewacher. Mehr als 40 Flugzeuge, darunter fünf Jumbo-Jets. Eine Flotte von gepanzerten Fahrzeugen. Und am Ende eine Rechnung von – so schätzen es indische Offizielle und Medien – 200 Millionen US-Dollar pro Tag. Wenn US-Präsident Barack Obama heute zum Auftakt seiner zehntägigen Asienreise in Mumbai eintrifft und dort mit seiner Delegation das gesamte Taj Mahal-Hotel (507 Zimmer) belegt, so entkommt er doch einer in der Heimat schwelenden Kontroverse nicht: Kann sich ein Präsident in solch wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wo viele Bürger die Gürtel enger schnallen müssen, auf Steuerzahlerkosten die teuerste Dienstreise leisten, die jemals das Weiße Haus arrangiert hat? Von Friedemann Diederichs

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US-Präsident Obama allein auf Auslandsreise? Das geht natürlich nicht. Aber ein Begleittross von 3000 Personen sei dann doch etwas zu viel, finden Kritiker.

„Geldverschwendung“

Allein 72 Stunden Indien schlagen somit, glaubt man den Zahlen aus dem Gastgeberland, mit 600 Millionen Dollar zu Buche. Ein Betrag, der mittlerweile bei konservativen Abgeordneten deutliche Kritik hervorgerufen hat. „Eine massive Geldverschwendung,“ rügte die Republikanerin Michelle Bachman. Im Weißen Haus will man hingegen von den Berechnungen aus Indien nichts wissen und beharrt darauf, die Kosten würden deutlich niedriger liegen – ohne diese jedoch „aus Sicherheitsgründen“ (Bush-Sprecher Robert Gibbs) zu nennen. Doch ganz aus der Luft gegriffen scheinen die 200 Millionen Dollar pro Tag nicht. Als Bill Clinton 1998 mit 1300 Personen im Schlepptau nach Afrika flog, bilanzierten dies die Buchhalter in Washington mit 42,8 Millionen Dollar. Doch seitdem sind die Kosten vor allem für Fluggerät und Sprit erheblich gestiegen. Hinzu kommt heute ein zuvor nie dagewesener Sicherheitsaufwand.

Mit dem Indien-Besuch, dem Stopps in Indonesien und Südkorea für den G-20-Gipfel folgen, verbindet Obama zwei Hauptziele: Zum einen US-Exporte in diesem wichtigen Absatzmarkt zu fördern. Vor seiner Abreise versprach Obama nochmals, die US-Warenausfuhr in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln. Zum anderen will er aber auch – vor allem durch den Aufenthalt im Taj-Hotel – Solidarität und Widerstandskraft mit Blick auf die Terroranschläge demonstrieren, die im November 2008 166 Menschenleben gefordert hatten.

Zusätzlich zur Kosten-Frage gab es aber auch bei der Reise-Planung Kontroversen. So wurde der Goldene Tempel in der Stadt Amritsar aus dem Besuchsprogramm gestrichen, weil dort ein Kopftuchgebot herrscht. Im Weißen Haus wollte man offenbar Fotos vermeiden, die dem von Konservativen geschürten Gerücht neue Nahrung geben könnten, Obama sei kein Christ, sondern in Wirklichkeit ein Moslem.

Artikel vom 06.11.10 - 12:00 Uhr
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