
Profi-Basketball ist aber nicht nur für die Spieler ein verrücktes Geschäft: Wochenlang telefonierten und faxten und mailten Trainer Doug Spradley, Assistent Stephan Völkel und Manager Jan Rathjen in der Weltgeschichte herum, um Ersatz für den abgewanderten Donald Copeland und den verletzten Torrell Martin zu finden. Sie haben über Statistiken gebrütet und Videos geguckt – und immer wieder mit Agenten verhandelt. Gestern fand dieses Treiben seinen Höhepunkt, denn gestern, Schlag Mitternacht, lief die Wechselfrist aus. Bis dahin wollten die Eisbären noch zwei Spieler verpflichten. Dass Everett kommt, stand schon am Nachmittag fest. Beim zweiten Mann gab es bis zum Redaktionsschluss noch keinen Vollzug.
Kandidat für den Job war Nicolas Covington, denn der hat zuletzt in Rumänien gespielt, war also bereits in Europa. Doch sein alter Verein BC Mures erteilte keine Freigabe. Dabei hatte Covingtons Agent den Eisbären versichert, dass der Spieler frei ist.
Rathjen betrachtete dieses Geschacher aus der Ferne fast unbeteiligt. „Von uns gibt es keinen Cent“, merkt er nur an. Covingtons Vertrag mit den Eisbären gilt nur bei rechtzeitiger Freigabe.
Rathjen war auch deswegen relativ entspannt, weil er zwei weitere Profis in der Hinterhand hatte, beide allerdings aus den USA, so dass der Neue erst Mittwoch in Bremerhaven eintreffen könnte. Für beide hat er sich schon vorsorglich die Freigabe besorgt.
Ganz so kompliziert war die Verpflichtung von Everett nicht. Er ist US-Amerikaner, geboren in Charleston, 1,93 Meter groß, 26 Jahre alt und Linkshänder. Nach seiner College-Zeit in Oklahoma ging er 2006 nach Europa und spielte hier in fünf Jahren für sieben Clubs, zwischendurch absolvierte er sechs Spiele für die D-Liga der NBA in den USA. Zuletzt war er für den kroatischen Club Cibona aktiv – bis Januar. Er ist also noch nicht lange raus aus dem Spielrhythmus. Das war eine der Hauptanforderungen der Eisbären: Die Neuen sollen ohne Anlaufzeit sofort eine Hilfe sein.
Wie verrückt das Basketball-Geschäft ist, zeigte sich auch vor drei Wochen: Da hatte Rathjen die Copeland-Nachfolge eigentlich schon geklärt: Gleich mit zwei Spielern war er über einen Wechsel nach Bremerhaven einig.
Aber bei dem einen wurde dann ein Mitspieler wegen Dopings gesperrt, so dass der Verein den Spieler doch nicht ziehen lassen wollte. Und der andere bekam plötzlich sein ausstehendes Gehalt auf einen Schlag ausgezahlt und war deswegen nicht mehr wechselwillig. (tom)
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