Techno-Parade als Tarnmantel für Neonazis?
bremerhaven. Nach dem tragischen Unglück bei der Loveparade in Duisburg sollte im kommenden Jahr eine Techno-Großveranstaltung in Bremerhaven stattfinden. Nach eigenen Angaben sollten für eine Parade am 1. Mai 2011 bis zu 30 000 Teilnehmer nach Bremerhaven reisen. Die NORDSEE-ZEITUNG deckte mit ihren Recherchen auf, dass sich hinter den Veranstaltern ein Rechtsextremer verbirgt, der so offenbar einen Aufmarsch in der Seestadt tarnen wollte.
„The Loveparade is not dead“ – die Loveparade ist nicht tot. Unter diesem Motto sollte gestern beim Bürger- und Ordnungsamt eine Demonstration für den Mai 2011 angemeldet werden. Vom Hauptbahnhof sollten die Teilnehmer über Columbus- und Lloydstraße, Grimsby- und Elbestraße zu einer Abschlusskundgebung auf dem Elbinger Platz geführt werden. Alternativ waren der Theodor-Heuss-Platz und der Wilhelm-Kaisen-Platz im Gespräch für eine Kundgebung.
Der 1. Mai hat für Neonazis eine besondere Bedeutung. Im Dritten Reich wurde er als „Nationaler Feiertag des deutschen Volkes“ inszeniert. Bundesweit wird der Tag deshalb von Rechten für Veranstaltungen genutzt.
Discjockey unbekannt
Die Veranstalter der Technoparade gaben vor, mit einem Bremer Radiosender zu kooperieren. Eine Kooperation war dort aber nie geplant worden. Auch hieß es, der Organisator lege in einer Bremerhavener Discothek auf. Die Nachfrage ergab – der angebliche Discjockey ist unbekannt. Die Anträge für die Veranstaltung sollten gestern an Ordnungsamt, Polizei sowie Amt für Straßen- und Brückenbau gefaxt werden. Die NZ fragte gestern mehrfach bei den Veranstaltern nach und fand schnell heraus, wer sich tatsächlich dahinter verbirgt. Schließlich beantwortete der Rechtsextreme keine Fragen mehr, knallte das Telefon auf und tauchte ab, als er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde. Bei den Behörden ging kein Antrag mehr ein.
Michael Neu von der Arbeitsstelle für Rechtsextremismus und Gewalt kennt den Hintermann, der die Veranstaltung aufziehen wollte, ebenfalls. Der Mann versuche immer wieder, mit Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Mit seinen bundesweiten Versuchen, Aufmärsche zu organisieren, war er in der Vergangenheit immer gescheitert.
Bereits im April hatte ein rechtsextremes Konzert in einem Leher Veranstaltungszentrum stattgefunden. Sie war von den Veranstaltern als Geburtstagsparty getarnt worden. (nz)
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