Auch die betroffene Station hätte früher geschlossen werden müssen, sagte Professor Dr. Thomas Eikmann, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Universität Gießen, am Donnerstag vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der die Infektionswelle untersucht. „Man muss sagen, dass das Handling nicht sehr professionell war“, betonte er. Denn bereits zwischen Januar und März des vergangenen Jahres sei bei sieben Kindern der MRSA-Keim aufgetreten. Hier hätten sich die Verantwortlichen bereits intensiv kümmern müssen, so Eikmann. Im April war dann ein erstes Baby mit einem Klebsiella-Erreger infiziert worden. Erst im November wurde die Station jedoch geschlossen.
Dass am Klinikum Bremen-Mitte während der Ausbruchswelle ein Mikrobiologe als Krankenhaushygieniker tätig war, nannte Eikmann „ein Problem“. Auch Dr. Klaus-Dieter Zastrow vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Vivantes Kliniken Berlin sowie Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, kritisierte dies scharf: „Wenn der Mikrobiologe nicht Arzt ist, ist das völlig undenkbar, weil er völlig überfordert ist.“ Er sei in dem Gebiet nicht zu Hause, da er zum Beispiel noch nie in einem Operationssaal gestanden hätte. Im Dezember hatte das Klinikum schließlich die Stelle eines Facharztes für Hygiene ausgeschrieben. „Die beiden Sachverständigen haben die Ergebnisse des Berichts von Staatsrat Prof. Matthias Stauch bestätigt. Die Dokumentation war nicht ausreichend, die Ausbruchsmeldung erfolgte zu spät“, sagte die Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Antje Grotheer (SPD). „Beide Sachverständige haben aber auch die nach dem 10-Punkte-Maßnahmenplan und dem Landesaktionsprogramm Krankenhaushygiene durchgeführten und geplanten Maßnahmen begrüßt.“
Der Untersuchungsausschuss will sich nun vor Ort einen Eindruck von der mittlerweile neu eröffneten und desinfizierten neonatologischen Station am Klinikum Bremen-Mitte verschaffen. In den nächsten Wochen sollen zudem weitere Zeugen, unter anderem aus dem Klinikum, dem Gesundheitsamt und dem Gesundheitsressort, gehört werden.
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