„Es gab in diesem Spiel ein paar Momente, in denen wir hätten sagen können: Heute soll es einfach nicht sein. Aber das haben wir nicht getan. Das zeigt den Charakter dieser Mannschaft“, analysierte Center Chris McNaughton den Basketball-Krimi, der bis zur letzten Sekunde spannend blieb und den die Eisbären wegen einer herausragenden kämpferischen Einstellung verdient gewannen. „Wir wollten am Ende den Sieg mehr“, sagte Spielmacher Jamison Brewer.
Dabei hatten die Gastgeber im bislang besten Spiel, das eine Eisbären-Mannschaft in Bremen zeigte, immer wieder Nackenschläge zu verkraften. Mitte des ersten Viertels humpelte Torrell Martin zur Bank, der Eisbären-Kapitän hatte Schmerzen im Knie und konnte nicht weiterspielen. „Das ist schon eine Hausnummer, wenn man einen Spieler wie Torrell ersetzen muss“, wies Eisbären-Manager Jan Rathjen auf die Schwächung hin, die der Ausfall des Leistungsträgers bedeutete.
Doch am Sonnabend übernahmen die Rotationsspieler bei den Eisbären Verantwortung. Terrell Everett – von seinem Potenzial her eher ein Starter als Bankdrücker – lieferte mit 17 Punkten und sechs Rebounds eine starke Vorstellung ab. Jermain Raffington hielt mit seinen beiden Dreiern – einer davon mit Brett – im letzten Viertel sein Team im Spiel. Der oft gescholtene Mike Smith, der gegen die Zonenverteidigung der Bayern zwei Mal von außen traf, gab ebenfalls wichtige Impulse. „Ich habe gleich den ersten Wurf getroffen und bin dadurch in den Rhythmus gekommen“, sagte Smith.
Beeindruckend war die Hartnäckigkeit, mit der die Mannschaft von Trainer Doug Spradley bis zum Schluss einem Rückstand hinterherlief. Nachdem Spradleys Schützlinge im zweiten Viertel durch einen 12:2-Lauf erstmals in Führung gegangen waren (21:20, 15.), ließ die Antwort der Bayern nicht auf sich warten. Immer, wenn die Gäste über Jared Homan und Chevon Troutman den Weg ans Brett suchten, gerieten die Eisbären ins Schleudern. Das Center-Duo sorgte fast allein dafür, dass die Bayern zur Halbzeit mit 33:28 die Nase vorne hatten.
Was sich den Eisbären am Sonnabend auch an Widerständen in den Weg stellte – sie steckten alles weg. Zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen wie das technische Foul gegen Brewer, das die Bayern nach dem 61:61 wieder auf fünf Punkte zum 66:61 davonziehen ließ (36.), ebenso wie die Treffsicherheit der Münchener aus der Distanz.
Am Ende waren die Eisbären einfach cleverer. Da spritzte Everett in einen Pass von Ben Hansbrough und verkürzte per Korbleger auf 70:71. Zachery Peacock brachte sein Team nicht nur mit 72:71 in Führung, sondern zog im folgenden Angriff ein Offensivfoul von Homan. Und Spradley nahm seinem Bayern-Kollegen Dirk Bauermann den Wind aus den Segeln, indem er direkt nach der letzten Auszeit der Münchener reagierte und die Chance nutzte, seine Spieler ebenfalls noch einmal neu einzustellen.
„Eine Mannschaft wie Bremerhaven, die viel Qualität hat, mobilisiert immer bis zur allerletzten Sekunde alle Reserven. Sie haben schwierige Würfe getroffen und sehr gut verteidigt“, zollte Bauermann den Eisbären Respekt. Der Bayern-Coach hatte vor dem Spiel die ÖVB-Arena als einen möglichen Vorteil für die Münchener ausgemacht, weil die Stimmung dort nicht so hitzig sein würde – die 9780 Zuschauer widerlegten ihn und verwandelten die Halle in ein Tollhaus.
Den Triumph über die Bayern kosteten die Eisbären richtig aus, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. „Klar, das fühlt sich schon besonders an. Aber auch für diesen Sieg gibt es nur zwei Punkte“, meinte Nationalspieler McNaughton, der am Sonnabend zu den Besten zählte.
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