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Schüler-Mobbing via Internet


Er wollte seiner 18-jährigen Freundin nur helfen und liegt jetzt selbst schwer verletzt im Krankenhaus: Ein 17-jähriger Berliner ist vor zwei Wochen im Ortsteil Wedding von 20 Jugendlichen zusammengeschlagen worden. Von Lars Ippich, 20 Jahre


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Beleidigungen der übelsten Art im Internet: Ein indiziertes Internetportal ermöglicht es Schülern, Lehrer und Mitschüler öffentlich zu demütigen. Das Internetportal lässt sich in Deutschland nicht mehr mit Hilfe von Suchmaschinen finden. Foto dpa

Auslöser waren Äußerungen, die im Internet über seine Freundin verbreitet worden waren. Der Schüler wollte die Wogen glätten und suchte das Gespräch mit einigen von ihnen, war aber nicht erfolgreich. Später trafen beide Seiten an einem U-Bahnhof wieder aufeinander. Auf einem Parkplatz in der Nähe wurde der Jugendliche so lange getreten und geschlagen, bis er das Bewusstsein verlor. Passanten riefen die Polizei, im Krankenhaus wurde ein Schädel-Hirn-Trauma festgestellt.

Nach Schulen geordnet

Seit den Ereignissen in Berlin ist eine rege Diskussion darum entstanden, wie man mit dem sogenannten Cyber-Mobbing umgehen soll. Geordnet nach Schulen findet man auf der betreffenden Internetseite plötzlich öffentlich all das, was früher höchstens auf den Schultoiletten zu lesen war. Die anonymen Liebesbekundungen sind dabei deutlich in der Unterzahl. Den größten Anteil stellen Beiträge, die deutlich unter die Gürtellinie gehen: Es geht um Mitschüler und den Konsum von Fäkalien, sexuell eindeutige Beiträge und schlicht wüste Beleidigungen. Auf der Startseite werden die kontroversesten Beiträge prominent platziert. Darunter auch Amokdrohungen, die in Berlin sogar schon dazu geführt haben, dass eine Schule geschlossen blieb.

Für Bremerhaven ist es auf der Seite bisher aber noch ruhig. Jörg Warras von der Fachstelle Jugendschutz im Internet beim Amt für Jugend, Familie und Frauen berichtet: „Internet-Mobbing ist ein Thema in der Stadt, aber nicht auf dieser Seite.“

Am 24. März entschied sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien dann, die Internetseite zu indizieren. Beantragt hatte das schon am 9. Februar Familienministerin Kristina Schröder. Unter anderem Google, Yahoo und Bing haben sich für diesen Fall freiwillig verpflichtet, solche Internetseiten aus ihren Suchergebnissen zu entfernen. Auch viele Filterprogramme bedienen sich aus den Listen der Bundesprüfstelle. Dann kann sie nur noch aufrufen, wer auch die genaue Adresse kennt. Ob das helfen wird, ist unterdessen fraglich: Durch die Berichterstattung in den Medien ist die Adresse ohnehin in aller Munde. Jörg Warras: „Die Schüler weichen auf solche Internetseiten aus, weil Seiten wie SchülerVZ stärker kontrolliert werden.“

Die Betreiber der Internetseite hat währenddessen klargestellt: Die Seite bleibt online. Nachdem sie auf einem Server in Schweden gespeichert ist und der Betreiber auch nur eine Scheinadresse veröffentlicht hat, stehen die Chancen schlecht für eine Abschaltung. Und gegen die Indexierung empfehlen die Macher auch etwas: Einfach die ausländischen Versionen von Google nutzen. Nicht zuletzt geschieht Mobbing auch auf vielen anderen Wegen, zum Beispiel per SMS: „Jedes Medium, das aktuell ist, wird auch für Internet-Mobbing genutzt“, sagt Jörg Warras.

Am vielverspechendsten sind da vielleicht noch die Versuche einiger, das Portal einfach mit inhaltsleeren Nachrichten zu füllen. Von den knapp 1700 Kommentaren zu einem besonders beleidigenden Beitrag sind nur einige Dutzend echte Reaktionen, den Rest bilden Zufallszahlen, die jemand automatisiert eingestellt hat.

Möglicherweise ist es mit dem Cyber-Mobbing am Ende genauso wie mit dem Mobbing von Angesicht zu Angesicht: Es kann nicht überleben, wenn die große Masse Zivilcourage zeigt und dagegen aufsteht.


Artikel vom 06.04.11 - 06:00 Uhr
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