
Der Schlick aus den Häfen ist eine Seuche. Seit er nicht mehr auf hoher See verklappt werden darf, weiß man nicht, wohin mit dem Zeug. Die Hafengesellschaft Bremenports sucht ständig nach Abnehmern, damit die eigene Deponie in Bremen-Seehausen nicht zu schnell vollläuft. Weil der Schlick aber auch mit Giften aus den Schiffsanstrichen belastet ist (aus so genanntem Antifouling), gibt es nicht viele Abnehmer.
Da kam der Plan der Bremer, die Hanglagen des Müllbergs zur Gewinnung von Strom aus Sonnenenergie zu nutzen, gerade recht. Um die Solarzellenmodule aufzubauen, musste die Oberfläche verdichtet und versiegelt werden. Dazu bot sich der Hafenschlick aus der Schwesterstadt an.
Von September bis Dezember wurden 6900 Kubikmeter getrockneter Hafenschlick auf der Deponie aufgebracht. „Das feinkörnige entwässerte Baggergut ähnelt in der Struktur stark einem natürlichen Klei- oder Lehmboden“, sagt Bremenports-Chef Holger Banik. Deshalb besitze es gute Dichtungseigenschaften. Das Material, das auf der Blockland-Deponie aufgebracht wurde, sei so gering belastet, dass eine Umweltbeeinträchtigung ausgeschlossen werden könne.
Gegen eine großflächige Verarbeitung von Hafenschlick hatte es in der Tat große Vorbehalte gegeben im Bremer Stadtteil Walle. Vor zwei Jahren gab es Pläne, Hafenschlick aus Hamburg auf die Deponie aufzutragen. Weil die Hamburger dringend Abnehmer für ihren Schlick brauchen, waren sie bereit, hohe Summe an die Abnehmer zu zahlen. Aber im Beirat Walle regte sich Protest. Man wollte den Schlick aus Hamburg nicht. Und politisch war es umstritten, den Hamburger Dreck nach Bremen zu schaffen, während man selbst nicht weiß, wo man den eigenen Schlick lassen soll.
Die Deponie bietet gute Voraussetzungen für eine großflächige Photovoltaik-Anlage. Der Hang weist eine Neigung von 20 Grad auf. 1900 Betonpfähle wurden in die Erde gerammt, um die Anlage zu stützen. 3500 Module umfasst die Anlage, die pro Jahr 700 000 Kilowattstunden Strom produzieren soll. Der Solarstrom soll Energie für 280 Haushalte erzeugen. Damit ließen sich 600 Tonnen Kohlendioxid im Jahr vermeiden. Die Anlage kostet 2,5 Millionen Euro.
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