
„Unglaublich“, wundern sich die Herren. Sie haben sich alle zur Fachkraft für Schimmelpilzsanierung ausbilden lassen. Nun, am Ende ihrer Fortbildung, stehen sie in einem echten Fallbeispiel mitten in einem Mehrfamilienhaus in Lehe. In jedem Raum der Parterrewohnung finden sich Schimmelpilzspuren; wo immer die Experten etwas Tapete hochziehen, taucht der widerliche schwarze Bewuchs auf.
„Hier ist definitiv nicht richtig geheizt und gelüftet worden“, urteilt Michael Behne, Mitarbeiter der Wohnungsgenossenschaft Bremerhaven und einer der Absolventen. Die Decke im Schlafzimmer muss so kalt gewesen sein, dass selbst dort – und nicht nur an Außenwänden – die Feuchtigkeit kondensiert ist. Ein guter Nährboden für die Schimmelpilze. „Man hätte die Wohnung regelmäßig stoßlüften und die Räume dann heizen müssen“, erklärt Rainer Stasch, Dozent bei dem Lehrgang, der in Bremerhaven vom Berufsfortbildungswerk (bfw) angeboten wird.
Neben baulichen Mängeln ist das falsche Verhalten der Bewohner eine der häufigsten Ursachen, warum der eklige Belag in Gebäuden sprießt und im schlimmsten Fall deren Bewohner krank machen kann. Nach Schätzungen sind sieben Millionen Haushalte bundesweit betroffen. Dabei gibt’s schon einen neuen Begriff: Hartz-IV-Schimmel. Denn aus Kostengründen würden manche Zimmer kaum oder gar nicht mehr geheizt. Stasch: „Das hat gerade in schlecht gedämmten Häusern verheerende Auswirkungen.“
Die Vier-Zimmer-Wohnung in Lehe ist ein Sanierungsfall. Der beauftragte Maler muss genau wissen, wie er dabei richtig vorgeht. Heinfried Becker vom bfw: „Sonst werden die ganzen Sporen freigesetzt und in Bewegung gebracht. Dann wird alles noch schlimmer.“
