
Das achtstündige Essen, bei dem als Hauptspeise das typische Bremer Braunkohl-Gericht serviert wird, ist Schlusspunkt der Bremer Eiswette. Dabei wird immer am 6. Januar überprüft, ob die Weser zugefroren oder eisfrei ist.
Döpfners Rede auf Deutschland und Bremen wurde im Congress Centrum der Hansestadt mit Spannung erwartet, da die Medien seines Verlags – in erster Linie die Bild-Zeitung – bei der Berichterstattung über die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff eine treibende Rolle spielen. In seinem brillanten Vortrag sprach Döpfner über die Kernbegriffe Freiheit und Verantwortung. Der Springer-Vorstand appellierte vor dem Hintergrund der Finanzkrise unter anderem an die Eigenverantwortung ehrbarer Kaufleute: „Wer das Recht auf unbegrenzten Gewinn hat, der trägt auch das Risiko des unbegrenzten Verlustes.“ Große Heiterkeit rief seine Aussage hervor, er fühle sich geehrt, im Vorprogramm von Josef Ackermann aufzutreten. Zum Thema Wulff beschränkte sich Döpfner zur Enttäuschung vieler Gäste auf ein Zitat des verstorbenen Bild-Verlegers Axel Springer. In dem Satz – „Die Rolle von Journalisten ist es, Politik zu beschreiben, nicht zu betreiben“ – sahen manche Eiswettgenossen zudem einen Widerspruch zur tatsächlichen Verlagspolitik.
Josef Ackermann, gegen dessen Auftritt vor dem Eingang des Congress-Centrums einige Demonstranten protestiert hatten, hatte bis zum späten Abend des Vortags an Verhandlungen der Bundesregierung mit Griechenland teilgenommen. Das Thema Finanzkrise zog sich wie ein roter Faden durch seine Rede. Unmissverständlich trat er für die Zukunft des Euro ein: „Jenseits von Europa gibt es für uns keine erfolgreiche Zukunft.“ Auch einen Vergleich zwischen seinem Heimatland Schweiz und dem Bundesland Bremen hatte er parat: „Beide haben Berge. In der Schweiz sind es die Alpen, in Bremen die Schulden.“
Mehrere Novizen wurden in den Kreis der Eiswett-Genossen aufgenommen. Darunter ist auch der Bremerhavener Schiffbau-Unternehmer Dieter Petram (MWB, Lloyd Werft). Einen starken Auftritt legte Thomas Röwekamp hin. Der Bremerhavener, vor wenigen Wochen als CDU-Landesvorsitzender gescheitert, war bei seiner Premiere als Notarius publicus gleichsam für Volkes Stimme zuständig. Dazu gehören deftige Breitseiten gegen die Landespolitik. Der Christdemokrat Röwekamp meisterte diese Herausforderung geschickt, indem er sich selbst nicht schonte. „Wer hätte gedacht, dass ich mich unter (Eiswett)-Genossen wohler fühle als unter Parteifreunden.“ Auch seine Heimatstadt bedachte er mit Ironie. Die Bewohner dort würden wie Piraten in der Schwesterstadt schon seit 1827 immer wieder penetrant Geld einfordern – und auch erhalten. Dies freute die große Fraktion der Seestädter im Congress-Centrum. Von Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) bis zu Unternehmer Ingo Kramer und Hotelier Piet Rothe genossen zahlreiche Bremerhavener das Fest. So sollte es sein.
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