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Politiker machen jetzt Druck


Kreis Cuxhaven. Wird es bald eine Entlastung für die Ärzte im Bereitschaftsdienst abends, nachts und an den Wochenenden geben? Nachdem immer mehr Patienten nicht den Arzt, sondern nur den Anrufbeantworter erreichten und dann per Notruf in der Einsatzleitstelle landeten, gab es Ärger. Um den zu beheben, soll es ein „Call-Center“ geben. Dafür machen die Politiker nun Druck. Von Herbert Klonus


Die Weichen sollen an einem Runden Tisch gestellt werden – noch vor Ostern. Darum bemüht sich Frank Berghorn (CDU). Der Holßeler Kommunalpolitiker hatte das Thema auch auf die Tagesordnung des Kreis-Sozialausschusses gebracht.

Dort hatte Rettungsdienst-Leiter Gerdts betont: „Wenn die Ärzte im Landkreis wegen der großen Entfernungen mit dem Bereitschaftsdienst überfordert sind, muss man sie entlasten.“ Gerdts’ Vorschlag: In der Einsatzleitstelle in Cuxhaven sitzt abends, nachts und an den Wochenenden eine ärztliche Fachkraft auf 400-Euro-Basis, die die Anrufe der Patienten oder von deren Angehörigen über eine zentrale Nummer entgegennimmt. Diese Mitarbeiterin hilft entweder gleich selbst mit Rat und Informationen weiter oder unterrichtet – je nach Notwendigkeit – den Bereitschaftsarzt oder die Leitstelle, damit diese den Notarzt losschickt.

Bei den Mitgliedern des Sozialausschusses kam der Vorschlag gut an. Auch die Hausärzte im Kreis würden eine solche Entlastung begrüßen. So weist der Langener Mediziner Dr. Lutz Buschmeyer darauf hin, dass ihn nachts im Bereitschaftsdienst viele Anrufe erreichten, die gar keinen Arzt erforderten. „Da fragt jemand, wie man die ,Pille danach‘ nimmt, ein anderer will wissen, welche Apotheke Notdienst hat und wieder ein anderer fragt, welches Krankenhaus Aufnahme hat“, berichtet Buschmeyer. Und immer wieder gebe es auch reine Schikane-Anrufe nach Mitternacht. „Da rufen welche an, die nur laut atmen und stöhnen. Die Rufnummer wird unterdrückt.“ Auch aus diesen Gründen würde sich Buschmeyer freuen, wenn es eine Stelle gäbe, die die Anrufe vorsortiert. Denn der Bereitschaftsdienst liege in der Regel zwischen zwei anstrengenden Sprechstundentagen.

Bremerhaven einbeziehen

Genauso wichtig wäre aber nach Ansicht des Langener Arztes, die Stadt Bremerhaven in den Bereitschaftsdienst einzubeziehen, zumal die Zahl der Mediziner im Cuxland mittelfristig wegen des Nachwuchsmangels sinken wird. Das sieht auch Dr. Hans-Joachim Raydt so. Der Leiter der Bezirksstelle Stade der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen führt deshalb gerade Gespräche mit seinen Kollegen in Bremerhaven und Bremen, „Wenn es zentrale Anlaufstellen für die Landkreisbewohner auch in Bremerhaven gäbe, wäre das schon eine enorme Entlastung für die Bereitschaftsärzte“, weiß Raydt.

Auch die „Call-Center“-Idee von Rettungsdienst-Leiter Gerdts will Raydt weiter verfolgen. Eine offizielle Installierung sei aber nur mit Zustimmung der Vertreterversammlung und des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen möglich. Raydt: „Das kann ein bis zwei Jahre dauern.“

So lange wollen die Kreispolitiker nicht warten. „Das muss schnell umgesetzt werden“, fordert Bernd Vogel (FDP), hinzuberufenes Mitglied im Kreis-Sozialausschuss. Denn in den vergangenen Wochen seien oft die Notärzte alarmiert worden, nur weil die Bereitschaftsärzte nicht erreichbar gewesen seien. Vogel: „Die Notärzte dürfen nicht länger die Lückenbüßer für den fehlenden Bereitschaftsdienst sein.“

Artikel vom 19.03.10 - 14:00 Uhr
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