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„Pfiffe sind kontraproduktiv“

Bremerhaven. Nur drei Punkte aus den letzten fünf Spielen, am Dienstag die 0:6-Niederlage im Spitzenspiel bei den Landshut Cannibals und zuletzt Pfiffe von den Rängen – bei den Fischtown Pinguins läuft es im Moment nicht rund. Warum das so ist und was sich ändern muss, darüber unterhielt sich Pinguins-Kapitän Chris Stanley mit Lars Brockbalz.

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Trotz der zuletzt dürftigen Spiele sieht Kapitän Chris Stanley die Fischtown Pinguins nicht in einer Krise. Allerdings gibt er zu, dass die Leistungen nicht zufriedenstellend waren. Foto ls

Herr Stanley, sind die Pinguins in einer Krise?

Das würde ich nicht sagen. Es gibt in der Saison immer Aufs und Abs.

Die Pinguins hatten einen tollen Saisonstart – hat der die Latte ein wenig zu hoch gelegt?

Ich denke nicht. Man darf nicht vergessen, dass Klassespieler wie Gosdeck, Beck oder Dejdar lange ausgefallen sind und die Verletztenliste im Laufe der letzten Wochen immer länger wurde. In manchen Spielen konnten wir die Lücken füllen, im Moment leider nicht. Vor Weihnachten waren die Jungs heiß und wir haben hart und gut gespielt. Im Moment klappt das nicht.

Warum nicht?

Wir haben uns nicht genug auf die Defensivarbeit konzentriert. Das muss wieder besser werden und das betrifft alle, Stürmer, Verteidiger und Torhüter gleichermaßen. Wir haben zu viele Chancen zugelassen und waren viel zu sehr von „big saves“ unserer Torhüter abhängig.

Beide haben aber zuletzt nicht überragend gespielt

Natürlich wünscht man sich von einem Torhüter immer, dass er das Team rettet, wenn wir Fehler machen. Das war zuletzt nicht so oft der Fall, aber daran ist die Mannschaft schuld. Wir haben zu viele Großchancen zugelassen. Wenn wir keine gute Arbeit machen, können wir nicht von unseren Torhütern verlangen, dass sie das Spiel für uns gewinnen.

Beim Spiel gegen Bietigheim haben die Fans die Mannschaft erstmals ausgepfiffen. Können Sie das verstehen?

Ich kann nachvollziehen, warum sie das getan haben. Wir haben in dem Spiel eine gute Phase gehabt und dann nachgelassen. Trotzdem sind wir enttäuscht, wenn unsere eigenen Fans uns auspfeifen. Das hilft uns nicht dabei, zu gewinnen. Die Pfiffe sind kontraproduktiv. Je mehr die Fans pfeifen, desto mehr verkrampfen wir Spieler. Man denkt: „Ich darf jetzt bloß keinen Fehler machen“ – aber dadurch macht man nur noch mehr Fehler.

Spricht man über so etwas in der Kabine?

Natürlich. Als wir gegen Bietigheim nach Penaltyschießen gewonnen hatten, haben wir beschlossen, auf die Ehrenrunde zu verzichten. Ich bin nicht sicher, ob das fair war. Aber die Pfiffe taten nun mal weh. Wir brauchen die Unterstützung unserer Fans, wir sollten nicht gegen sie kämpfen müssen.

Der Spielplan rund um den Jahreswechsel sieht zehn Spiele in 24 Tagen vor. Spielt das eine Rolle?

Das darf keine Entschuldigung sein. Die anderen Mannschaften müssen genauso oft spielen. Ärgerlich ist, dass wir genau in dieser Phase so viele Verletzte haben. Dadurch werden die anderen auch schneller müde.

Anders als bei den anderen Mannschaften kommen bei den Pinguins die langen Auswärtsfahrten hinzu. Sind die ein Problem?

Ich denke nicht. Wir haben uns so daran gewöhnt, dass es nicht mehr wirklich stört. Das einzige Problem ist, dass wir uns auf den langen Fahrten gegenseitig anstecken, wenn einer krank ist. So wie in dieser Woche.

Sie selbst mussten vor Weihnachten verletzt pausieren. Sind Sie wieder voll fit?

Nicht hundertprozentig. Ich hatte einen Bauchmuskelfaserriss und muss mich erst wieder herankämpfen. Das Schlittschuhlaufen geht aber jeden Tag besser und der Schmerz wird weniger. Vielleicht hätte ich länger pausieren sollen. Aber es war grausam, draußen zu sitzen und zuschauen zu müssen. Und ich dachte, ich könnte der Mannschaft helfen. Das hat leider nicht so gut geklappt.

Ist Dejdars Ausfall das Schlimmste, was passieren konnte?

Er fehlt am meisten. Das gilt sowohl für die Mannschaft als auch für mich persönlich. Schließlich habe ich in den vergangenen drei Jahren immer mit ihm zusammengespielt. Marian ist ein großer Faktor in unserer Offensive. Ohne ihn schießen wir definitiv weniger Tore als mit ihm.

Am Wochenende geht es gegen Heilbronn und Schwenningen. Was muss passieren, damit nicht zwei weitere Niederlagen dazukommen?

Wir müssen unsere Intensität wiederfinden und hart arbeiten. Der Zeitpunkt für die Spiele ist gar nicht so schlecht. In Schwenningen haben wir immer gut ausgesehen und gegen Heilbronn haben wir nach dem 1:4 im ersten Heimspiel eine Rechnung offen.

Dennoch: Bei zwei Niederlagen droht der Absturz in der Tabelle. Besteht die Gefahr, dass die Pinguins die Playoffs verpassen?

Da habe ich keine Angst. Eine Saison ist wie eine Achterbahnfahrt. Zuletzt ging es runter, aber es wird auch wieder rauf gehen.

Artikel vom 05.01.12 - 12:00 Uhr
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