
Warum nicht? Hängt es damit zusammen, dass ihn einige Gießener Fans als „Feier-Biest“ enttarnt haben wollen? Der Power Forward, der am 23. Oktober seinen 24. Geburtstag feiert, schweigt. „Ich sage dazu besser nichts“, räumt er ein, „man soll nicht nach hinten blicken, sondern in die Zukunft schauen.“
Das tut er dann auch. „Ich glaube, unsere Mannschaft hat viel Talent. Das ist eine interessante Mischung und die Playoffs sollten drin sein“, sagt der Amerikaner. Nach einer Saison in Gießen glaubt er zu wissen, wie in der Basketball-Bundesliga gespielt werde, welche Teams zu den Favoriten gehören und wie stark die eigene Mannschaft ist.
Die Eisbären hat er weit oben auf dem Zettel. „Das ist schon alles sehr professionell hier. Die Jungs sind alle sehr cool, aber irgendwie ist auch jeder auf dem Boden geblieben. Sie haben es mir und Anthony Smith leicht gemacht, uns einzufinden“, behauptet Peacock, der von allen nur „Zack“ gerufen wird. Anthony Smith, das ist sein Kumpel aus Gießener Tagen. „Ich habe mich schon gefreut, Anthony hier wiederzusehen“, sagt der 23-Jährige schmunzelnd. Gewusst davon, das Smith ebenfalls nach Bremerhaven kommen würde, habe er nichts.
Doch auch ohne seinen „Spezi“ würde es ihm hier gefallen. Wobei, so sagt Peacock, er von der Stadt noch nicht so viel gesehen hätte. Einen Blick über den Deich habe er noch nicht geworfen, bisher haben Training und Test-Spiele seinen Alltag bestimmt. Training, essen, schlafen, Training, essen „und dann habe ich mir gerade ein neues Buch geschnappt“, meint er. Vom „Daddeln“ am Computer oder mit der X-Box, die wohl beliebteste Freizeitbeschäftigung der Kollegen, hält Peacock nichts. Das interessiere ihn nicht.
Bei den Eisbären möchte das 2,03 m lange und 107 kg schwere Kraftpaket den nächsten Schritt in seiner Karriere machen. Er möchte sich weiter verbessern, möchte jede Menge lernen. Und plötzlich spricht er doch über Gießen. „Da habe ich fast nur inside, also in Korbnähe, gespielt“, fügt er hinzu. War das eine Umstellung zu seiner Zeit davor am College? „Ja, eine ziemliche“, meint er. Im Team von Georgia Tech – dort spielte Peacock vier Jahre – habe er 50 Prozent „inside“ und 50 Prozent „outside“, also außerhalb der Zone, agiert.
Das war auch der Grund dafür, dass er ein sehr ordentlicher Dreierschütze gewesen sei. „Ich weiß nicht mehr, wie viel Prozent ich von jenseits der Dreier-Linie getroffen habe, aber es war nicht wenig“, sagt der Power Forward, der 2010 in der Summerleague für den NBA-Klub Miami Heat in Las Vegas gespielt hat, seinen Traum von einem Engagement in der besten Liga der Welt aber nicht verwirklichen konnte. „Nach der Summerleague war ich wieder raus“, gesteht er.
Auf dem College agierte Peacock eher auf der großen Flügelposition als Small Forward. Mit 35,5 Prozent war seine Dreier-Quote nicht schlecht für einen langen Mann. „Ich kann von draußen schießen, wenn es gewünscht wird“, meint der 23-Jährige. Im Testspiel gegen ZZ Leiden in der Stadthalle machte er von seinen neuen Freiheiten bei den Eisbären sofort Gebrauch. Viermal versuchte er sich mit Würfen von jenseits der Dreier-Linie – das war exakt jene Anzahl, die er in Gießen in 34 Saisonspielen hatte.
Wobei Eisbären-Coach Doug Spradley seinen Neuzugang auch eher in Korbnähe sehen will. Denn durch seine Athletik und sein kraftvolles Spiel ist er dort gut aufgehoben. Der in Miami geborene Peacock ist einer, der auch da hingeht, wo es weh tut. „Das habe ich in Deutschland als erstes gelernt. Hier wird viel körperlicher gespielt als am College in den USA“, weiß er nach einem Jahr in der BBL.
Das sei die größte Umstellung gewesen, „aber nun weiß ich ja, wie es hier läuft“, sagt er – und lächelt vielsagend.
Da hört das Kraftpaket ganz genau zu: Power Forward Zachery Peacock will bei den Eisbären seinen nächsten Schritt nach oben auf der Karriere-Leiter machen.Foto eer
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