
Es war ein Auftritt, der Führungsstärke und Kompetenz vermitteln sollte. Selbst morgens, wenn Tochter Malia an die Badezimmertür klopfe und ihn frage, ob er das Leck im Meeresboden gestopft habe, denke er über die Katastrophe nach, offenbarte Barack Obama Journalisten. Ein Bild, dass sich seine PR-Strategen wünschen: Ein rund um die Uhr engagierter Präsident, der das Wohl der Nation im Sinn hat, sich selbst in der Verantwortung für das Stopfen des Lecks sieht.
Doch gestern, bei seinem zweiten Besuch im Krisengebiet, kämpfte Obama gegen die seine Botschaft erdrückende Macht drastischer Bilder. Da sind zum einen die Live-Aufnahmen von der weiter heftig sprudelnden Unterwasser-Bruchstelle in 1500 Meter Tiefe, von den TV-Sendern sogar während seiner Pressekonferenz eingeblendet. Und wenig später die Bilder des um den heißen Brei herum redenden BP-Managers Doug Suttles, der erst nach langem Drängen einräumt, das man insgeheim stundenlang das Einpumpen des Schlammes beim „Top Kill“-Verfahren gestoppt hat und dass der Ausgang des Versuchs weiter zweifelhaft ist. Zusätzlich zu dem Spezialschlamm werde das Bohrloch-Leck mit Gummiresten und Faserabfällen gefüllt, ergänzte Konzernchef Tony Hayward später. Ob die Methoden Erfolg haben, ließe sich aber frühestens in 48 Stunden sagen.
Hinzu kommt die nach 38 Tagen drastisch nach oben korrigierte Menge des austretenden Öls: Täglich sprudeln zwei bis drei Millionen Liter in Meer. Es seien bereits 240 Kilometer der US-Küste verseucht, berichtete der TV-Sender CNN gestern. Mehr als 400 Vögel seien seit Beginn der Katastrophe verendet. Auch Delfine seien gestorben.
Der Demokraten-Stratege James Carville, nach eigenen Worten ein „Bewunderer“ des Präsidenten, schipperte stundenlang durch die ölverseuchten Marschen – und erklärte im Sender CNN den Bankrott der Hilfsmaßnahmen. „Es geschieht gar nichts, absolut gar nichts. Niemand schöpft das Öl ab.“
Ein Fazit, das sich jedem Besucher der Krisenregion aufdrängt: Im Naturschutzgebiet Grand Isle, dem Reiseziel Obamas, lagen kilometerlang angespülte Ölsperren unwirksam im Sand. In Venice, dem südlichsten Zipfel Louisianas, entdeckten der Lokalpolitiker Billy Nungesser und Helfer weite Ölschwaden, die sich in den Marschen festsetzten. „Wir alarmierten BP und die Küstenwache, und die kamen für eine erste Analyse – fünf Tage später“, sagte Nungesser. „Niemand weiß, wer wirklich zuständig ist.“
„Der Präsident hat keine Ahnung oder wird falsch informiert, was hier vorgeht“, wettert Parteifreund Carville, „es wurde Zeit, dass er sich selbst ein Bild macht.“ Denn die Bilder, die sich der Bevölkerung vom Desaster bieten, sind düstere und politisch gefährliche Aufnahmen: Von Delfinen, die nach Worten von Biologen „bald sterben werden“. Von Fischern, die für Lebensmittelmarken anstehen. Von Betroffenen wie einem Kongressabgeordneten aus Louisiana, die vor laufenden Kameras plötzlich weinen. Szenen einer Katastrophe, mit deren Ausgang sich Barack Obama jetzt auf Wohl und Wehe persönlich verknüpft hat. Und deren Ende nicht absehbar ist.

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