
Braunschweig. Die Latein-Formation der TSG Bremerhaven ist zurück in der nationalen Spitze: Als Nachrücker trat das junge Team bei der deutschen Meisterschaft in Braunschweig an – und tanzte sich gleich auf Platz sechs, hatte also mit dem Abstiegsplätzen nichts zu tun. Mit ein bisschen Glück hätte die TSG sogar noch ein bisschen weiter vorne landen können.
Zumal das Publikum voll hinter dem Team stand: Außer dem alten und neuen deutschen Meister Grün-Gold Bremen bekam kein Team so viel Applaus wie die TSG. Selbst wenn das zum Teil an der norddeutschen Sympathie der rund 2500 Braunschweiger gelegen haben mag, war der Auftritt des Teams aus Bremerhaven auch sportlich ansehnlich. Die Choreografie war dem Leistungsvermögen der Tänzer sozusagen auf den Leib geschrieben.
Trainer Michael Albers war ebenfalls zufrieden – nicht nur mit dem Abschneiden seines Teams, sondern fast noch mehr mit dem Feuer, das die Teilnahme an der Meisterschaft in der Formation entfacht hat. „Sie haben mich gleich gefragt, wann das nächste Training ist“, freut sich Albers, „die sind jetzt echt begeistert.“
Zwar hat der erfahrene Trainer – er war dreimal Weltmeister – seinen Tänzern vorher gesagt, wie ein großes Turnier abläuft, „aber es ist eben etwas anderes, ob man was erzählt bekommt oder selbst erlebt. Das war eine aufregende Erfahrung.“
Seit dem Neuanfang stehen kaum noch erfahrene Tänzer in der TSG-Formation, aber Albers sah mit Wohlwollen, wie bemüht die jungen Leute waren, alles aufzusaugen, was sie besser machen können. Die Auftritte der anderen Formationen dienten sozusagen als Fortbildung.
Skeptische Bremerhavener hatten befürchtet, dass die TSG nach der Vorrunde schon wieder nach Hause fahren könnte, aber dazu war die Vorstellung zu gut, auch wenn manchmal die Präzision fehlte. Letzter wurde Mitaufsteiger Greven, auch den TSC Residenz Ludwigsburg ließ Bremerhaven hinter sich. Sein Team hat sich „bis auf paar Flüchtigkeitsfehler“ gut präsentiert, bewertete Albers den Einzug in die Zwischenrunde.
Wie groß der Vorsprung auf die beiden Teams war, ist unbekannt: Nur das Weiterkommen wird verkündet, erst im Finale gibt es eine offene Wertung. So weiß man auch nicht, wie knapp oder deutlich die Bremerhavener in der Zwischenrunde gescheitert sind. Albers gibt sich vorsorglich kämpferisch: „Wir haben zwei Teams ganz klar hinter uns gelassen und die beiden, die direkt vor uns gelandet sind, halte ich nicht für unschlagbar.“
Da war er wieder, der Glaube an die eigene Klasse, ohne die man es in keiner Sportart nach ganz oben schafft, und die ein ehemaliger Weltmeister nicht einfach ablegen kann. Der Trainer ist allerdings nicht naiv: Er schließt nicht aus, dass es irgendwann wieder goldene Zeiten für die TSG geben kann, weiß aber, dass es bis dahin ein weiter Weg ist. Er weiß auch, woran das Team dabei vor allem arbeiten muss: „Ausdruck und Präsentation“: Selbst wenn Turniertanzen harter Leistungssport ist, soll es doch leicht aussehen. Das schafft man aber praktisch nur mit Erfahrung. Albers: „Natürlich gibt man in einem Wettkampf alles, aber man muss den Wertungsrichtern vermitteln, dass da noch viel Energie ist.“
Mitte Januar geht’s weiter
Eine Woche haben die TSG-Tänzer frei, dann beginnt die Vorbereitung auf die Bundesliga. Platz sechs ist nach dem guten Saisonauftakt nun das Minimalziel. Um noch besser zu werden, sind zwei Monate Zeit. Das erste der fünf Turniere findet am Sonnabend, 16. Januar, in Aachen statt. Die weiteren Termine: 30. Januar in Ludwigsburg, 13. Februar in Bremen, 27. Februar in Velbert und 13. März in Düren.
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