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Nur der Beton hält stand

Okcular. Als Zeynep Yüksel am frühen Morgen wach wird, wackelt das ganze Haus. Die Möbel werden durcheinander geworfen, der Fernseher zerbirst. „Ich hatte große Angst“, berichtet die junge Frau. Ihr Heimatdorf Okcular im Südosten der Türkei wird durch den Erdstoß der Stärke 6,0 größtenteils zerstört.

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Zeynep Yüksel gehört zu den Glücklichen, die mit dem Leben davongekommen sind: In Okcular und einigen Nachbardörfern starben durch das Beben mehr als 50 Menschen. Viele dieser Menschen könnten noch leben, wenn die Behörden und auch die Bewohner der Gegend die Erdbebengefahr ernster genommen hätten, kritisieren Experten.

Während sich die obdachlosen Erdbebenopfer in den Zelten aufwärmen, die der Rote Halbmond errichtet hat, kämpfen sich im Dorf schwere Räummaschinen durch die Trümmer der Häuser. Dabei fällt auf, dass modernere Betongebäude im Ort fast unbeschadet stehen geblieben sind, während so manches traditionelle Bauernhaus nur noch ein Schutthaufen ist. Die in dieser Gegend häufig für den Hausbau verwendeten Materialien Lehm und Naturstein seien für die vergleichsweise hohe Zahl der Todesopfer verantwortlich, sagt Regierungschef Recep Tayyip Erdogan. Die Lehmhäuser haben selbst einem Erdstoß wie dem vom Montag, der von Experten der türkischen Erdbebenwarte Kandilli als schwer, aber keineswegs katastrophal eingestuft wird, nichts entgegenzusetzen.

Fachleute wie der selbst aus der Unglücksprovinz Elazig stammende Istanbuler Wissenschaftler Naci Görür fragen sich, warum die Behörden und die Einwohner selbst nicht mehr getan haben, um die Folgen möglicher Erdbeben in der Region zu minimieren. Dass die Gegend um Elazig ganz besonders bebengefährdet ist, sei erst bei kürzlichen Informationsveranstaltungen in der Region thematisiert worden, sagt Görür. „Aber unsere Bevölkerung und unsere Behörden nehmen die Warnungen nicht ernst.“

Das betrifft vor allem die in der ganzen Türkei anzutreffende Nachlässigkeit bei der Errichtung erdbebenfester Häuser. Bei einem Beben der Stärke 6,0 muss eigentlich kein Wohnhaus einstürzen. Ahmet Mete Isikara, der bekannteste Erdbebenexperte der Türkei, erinnert seine Landsleute an eine ebenso einfache wie wichtige Lektion: „Nicht das Beben tötet – einstürzende Häuser töten.“ (AFP)

Die schwersten Erdbeben in der Türkei

Die Türkei liegt auf der Nahtstelle der afrikanischen und europäisch-asiatischen Erdplatte. Verschieben sich diese ruckartig, kommt es zu Erdbeben.

1. Mai 2003: Erdstöße der Stärke 6,4 in der Provinz Bingöl; 176 Tote.

12. November 1999: Region Düzce, Stärke 6,3: fast 900 Todesopfer.

17. August 1999: Ein Jahrhundertbeben in der Region um die Industriestadt Izmit tötet mehr als 17 100 Menschen. 88 000 Häuser sind unbewohnbar.

27. Juni 1998: Erdstöße bei Adana (Südtürkei) töten 146 Menschen.

13. März 1992: Provinz Erzincan, Stärke 6,8: mindestens 498 Tote.

30. Oktober 1983: Im Raum Erzurum (Ost-Anatolien) werden 77 Ortschaften durch Erdstöße der Stärke 6,9 verwüstet: 1342 Tote.

Artikel vom 09.03.10 - 12:00 Uhr
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