
Für die Eisbären war es bereits die vierte dreistellige Heim-Niederlage in dieser Saison. Auch das hat es noch nie gegeben und das zeigt, wo der Schuh drückt: In der Verteidigung. Wer dem Gegner 103 Punkte erlaubt, der kann in der Bundesliga nicht gewinnen. Und wer nicht 100 Prozent gibt, schon gar nicht.
Das traf gestern auf einen Großteil der Eisbären zu. Vor der Rekordkulisse wirkten die Gastgeber gehemmt, da fehlte der Hallo-Wach-Effekt. Die Bären waren immer einen Schritt zu spät, wirkten tapsig, bisweilen behäbig. Die Drachen spielten mit viel mehr Energie, beherrschten die Rebounds und hatten mit Aufbauspieler Tyrese Rice den überragenden Mann in ihren Reihen.
Der 23-jährige Amerikaner lieferte ein Wahnsinns-Spiel ab. Er traf zehn seiner elf Wurfversuche aus dem Feld, gab noch neun Vorlagen zu Korberfolgen der Mitspieler, klaute den Eisbären viermal den Ball. Mit seiner Sahne-Leistung legte er eine neue Saisonbestmarke in Sachen Effektivität auf.
Rice machte mit den Eisbären, was er wollte. Er gab den Takt an, setzte seine Kollegen glänzend in Szene und sorgte dafür, dass die rund 300 Dragons-Fans schon im dritten Viertel (27. Minute) beim Stand von 69:53 „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ riefen.
Und die Fans der Eisbären? Die schwiegen, waren sprachlos. Es war fast so ruhig auf den Rängen wie vor Beginn der Partie, als der Opfer der Erdbebenkatastrophe in Japan mit einer Schweigeminute gedacht wurde.
Einmal kam noch kurz Stimmung auf. Da hatte Doug Spradley sein Team zum ersten Mal eine Raumverteidigung (Zone) spielen lassen. Aber auch das brachte die Dragons nur kurzzeitig etwas aus dem Konzept. Denn sie hatten Tyrese Rice, der das Heft sofort wieder an sich riss.
Im dritten Viertel lebten die Gastgeber vor allem von den zehn Punkten Sean Denisons, am Ende mit 17 Zählern bester Werfer der Bären. Aber das Strohfeuer war schnell wieder erloschen, weil die Dragons weiter hart verteidigten und den Eisbären den Schneid abkauften. Vor allem in Sachen Rebounds waren sie eine Klasse besser. Robert Kurz sammelte allein zehn Abpraller ein – zwei mehr, als die komplette lange Garde der Eisbären (Denison, Drevo, Callahan, Shtein). Das spricht für sich.
Bis zur Halbzeit (42:54) hielten die Eisbären, die nie in Führung lagen, noch einigermaßen mit. Danach brachen alle Dämme. „Man kann gegen eine Klasse-Mannschaft wie die Dragons mit 20 Punkten Differenz verlieren, aber die Zuschauer müssen den Eindruck haben, dass jeder alles gibt und kämpft“, sagte Spradley später. Das galt bei weitem nicht für alle seiner Akteure.
Und bei den Gastgebern? Da fehlte die ordnende Hand. Die beiden Neuen, Jamison Brewer und Terrell Everett, spielten mit, mehr nicht. Denison hatte im dritten Viertel seine lichtesten Momente, Andrew Drevo mit acht Punkten im ersten Abschnitt. John Allen ließ phasenweise sein Können aufblitzen, Tyrone Brazelton ebenfalls. Unter dem Strich war das nur biedere Hausmannskost gegen ein starkes Kollektiv aus Quakenbrück, das in Tyrese Rice, Nathan Peavy, Adam Hess und Robert Kurz auch die besseren Solisten hatte.
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