
Am Sonntag, wenn die Bremerhavener um 16 Uhr gegen die Gießen 46ers bereits ihren nächsten Heimauftritt haben, fragt nach dem „Wie“ gegen Göttingen niemand mehr. „Man muss auch mal einen Arbeitssieg landen und ein Spiel gewinnen, in dem es lange Zeit nicht so gut läuft. Mit unserer Offensivleistung in der ersten Halbzeit war ich überhaupt nicht zufrieden, mit der Arbeit in der Verteidigung schon“, sagte Cheftrainer Doug Spradley.
Was die Eisbären in den ersten 20 Minuten im Angriff versiebten, ging auf keine Kuhhaut. Das war mitunter stümperhaft. Der Ball wurde schlafmützig bewegt, keine Blöcke, noch ein Pass hier, noch einer dort, viele gezwungene Würfe und viele Spielunterbrechungen durch zahlreiche Foulpfiffe – puh, das machte keinen Spaß.
Im ersten Viertel betrug die Trefferquote aus dem Feld lausige 24 Prozent (4 von 17). Von draußen ging mal wieder nichts. Und weil von den Eisbären von der Dreierlinie keine Gefahr ausging, konnten die Göttinger die Räume unter dem eigenen Korb ganz eng machen. Und damit waren die Eisbären auch ihrer besten Waffe, den langen Leuten, beraubt. 12:15 nach zehn Minuten – das war Not gegen Elend.
Aber die Eisbären kämpften sich ins Spiel, erzwangen sich gute Würfe, weil die Verteidigung aggressiv war und auch Göttingen nicht den berühmten Möbelwagen traf. Es blieb eine enge Kiste, wobei die Eisbären bis zum 23:24 (17.) hinten lagen. Aber dann setzten die Langen Zachery Peacock und Jason Cain immer mehr Akzente. Gerade Cain, der in Ludwigsburg noch so enttäuscht hatte, war ein wertvoller Faktor. Neun Punkte erzielte er bis zur Pause, elf Peacock.
Für den tollen Schlusspunkt vor der Pause sorgte Jamison Brewer. 0,9 Sekunden zeigte die Uhr, Cain warf den Ball übers ganze Feld zu Brewer, der machte noch zwei Schritte und legte den Ball vor der Sirene zum 36:32 in den Korb. So einfach geht es, Göttingens Coach Stefan Mienack ging ob der Dusseligkeit seiner Spieler in die Luft wie früher das HB-Männchen.
Das war die Initialzündung für die Bremerhavener. Punkt um Punkt setzten sie sich ab, weil das Team auch im Angriff anfing, den Ball laufen zu lassen. Die Dreierquote blieb weiter lausig, aber unter dem Korb hatten die Gastgeber eindeutig die Lufthoheit. 47:31 Rebounds sind dafür der beste Beweis. Vier Punkte in Folge von Kapitän Torrell Martin, der trotz seiner Schulterprellung spielen konnte, bedeuteten das 40:34. Dann war auch Terrell Everett aufgewacht und setzte Impulse. Peacock punktete und Cain sorgte mit zwei Freiwürfen für das 52:41. Das war die erste Führung mit mehr als zehn Punkten (28.). Mit einem Drei-Punkte-Spiel sorgte der erneut sehr effektiv agierende Chris McNaughton für die 55:43-Führung nach 30 Minuten.
Im letzten Durchgang waren die Eisbären Herr in ihrem Käfig. Auch da hielt hin und wieder noch der Schlendrian Einzug, aber die Gäste waren auch sehr schwach.
Nach einem Solo-Lauf von Korb zu Korb erzielte Everett das 59:45, hinten packte Cain zweimal den Monster-Block aus. Da konnten Max Weber und Kyle Bailey nur staunen – und die Fans waren aus dem Häuschen. Mike Smith stopfte den Ball noch per Dunking in den Korb. Gleiches machte Anthony Smith, der an der Grundlinie gegen zwei BG-Spieler unaufhaltsam zum Korb zog. Und dann war Schluss – und alle freuten sich.
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