
Was halten Sie grundsätzlich von der Idee eines Internet-Prangers gegen falsch etikettierte Lebensmittel?
Endlich erkennt die Bundesregierung damit an, dass die Verbraucher ein flächendeckendes Problem haben. Nämlich, dass sie massiv legal getäuscht werden. Man findet praktisch in jedem Regal heute Produkte, bei denen Eigenschaften versprochen werden, die das Produkt nicht halten kann. Und das betrifft nicht nur einzelne schwarze Schafe. Wir haben Produkte von fast allen namhaften Firmen gefunden, bei denen gemogelt wird. Vor allem dann, wenn mit Begriffen wie Fitness, Natur oder gesund geworben wird.
Es gibt auch Erdbeer-Joghurt, der nie eine Erdbeere gesehen hat.
Der Werbebegriff „natürliches Aroma“ klingt nach eingekochten Früchten. Die gibt es aber meist nicht. Das Aroma kann stattdessen aus irgendeiner in der Natur vorkommenden Substanz gewonnen worden sein, etwa aus Schimmelpilzen oder aus Holzresten. Gerne schreiben die Hersteller auch „ohne künstliches Aroma“ auf die Packung.
Und das kann eine Internetseite alles bekämpfen?
Sie kann nur ein erster Schritt sein, denn im Internet kann man niemals die gesamte Bevölkerung erreichen. Immerhin erkennt die Regierung nun das Problem als solches an. Eine wirkliche Lösung gibt es nur, wenn die Regierung sich daran macht, die Regeln für die Hersteller zu ändern. So könnte Frau Aigner jederzeit die Zuführung von Sauerstoff in Fleischverpackungen untersagen.
FDP lehnt „Rote Liste“ für Etikettenschwindel ab
Die Pläne von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) für eine „Rote Liste“ im Internet von Lebensmitteln mit Etikettenschwindel stoßen beim Koalitionspartner FDP auf Widerstand. Die FDP-Fraktion lehne „eine politische Steuerung des Konsums und eine Bevormundung der Verbraucher strikt ab“, sagte die FDP-Ernährungspolitikerin Christel Happach-Kasan. Dies sei „der falsche Weg, um gegen falsche und täuschende Kennzeichnung von Lebensmitteln vorzugehen“. Sie forderte, die Wirtschaft mit einzubinden.
Der Vorsitzende des Bundestags-Verbraucherausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP), verlangte von Aigner, die Parlamentarier im Ausschuss über Details zu informieren. Verbraucher sollen nach dem Willen von Aigner künftig die Namen irreführend etikettierter Lebensmittel auf einer Internetseite veröffentlichen können. (dpa)
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