
Und die haben nicht so eine gute Ausrede: Der Neu-Eisbär ist erst seit wenigen Wochen in der Stadt und steckt mitten in der anstrengenden Saisonvorbereitung. Da reicht abends die Energie eben nur noch für ein Computerspiel.
„Call of Duty“ heißt sein Lieblingsspiel auf der X-Box. Etliche andere Basketballer spielen das auch gerne, ebenso seine Neffen. Familie ist dem 26-Jährigen ohnehin wichtig. Er ist das zweitjüngste von insgesamt fünf Kindern, aufgewachsen in Philadelphia. Zwei seiner Schwestern sind deutlich älter als er, sie haben ihn verwöhnt, als er klein war.
Jetzt ist er nicht mehr klein, sondern 2,09 Meter groß, aber er hält stets Kontakt. Als er vor vier Jahren nach Deutschland kam (zu den Phantoms Braunschweig), war es zu Anfang gewöhnungsbedürftig: „Wegen der Zeitverschiebung konnte ich erst um 1 Uhr nachts anrufen.“
In einigen Wochen wird er vielleicht weniger Zeit für Computerspiele haben: „Meine Freundin zieht dann zu mir“, verrät Cain. Doch auch ohne sie fühlt er sich pudelwohl in der Stadt.
„Nach vier Jahren in Braunschweig wollte ich etwas Neues erleben“, sagte er, da kam das Interesse der Bremerhavener gerade recht. „Die waren richtig heiß darauf, mich zu holen, und wenn jemand dich so sehnlich willkommen heißen will, tust du gut daran, dorthin zu gehen“, beschreibt er lächelnd die Verhandlungen mit den Eisbären: „Der Coach hat mir gesagt, wie er sich das vorstellt, ich habe mir das genauso vorgestellt – das war’s.“
Seit er in Bremerhaven ist, muss er die Entscheidung erst recht nicht bereuen. Beruflich nicht: „Alles ist sehr, sehr professionell organisiert.“ Menschlich nicht: „Die Mannschaft hat es mir leicht gemacht, Fuß zu fassen.“ Und sportlich auch nicht: „Wir haben eine sehr gute Mannschaft“, sagt er und erlaubt sich sogar ehrgeizige Träume: „Die Meisterschaft ist immer das erste Ziel einer Saison.“
Er selbst ist ehrgeizig, einen möglichst großen Teil zum sportlichen Erfolg beizutragen: „Ich will hart arbeiten“, verspricht er und strahlt positive Energie aus. Eine persönliche Punktequote hat er sich aber nicht vorgenommen: „Manchmal wirft man auf den Korb, manchmal ist der Pass zum Mitspieler besser. Es geht darum, dass das Team gut ist.“
Und vom Team ist er wahrhaftig überzeugt, vor allem vom Kapitän: „Torrell ist seit 20 Jahren hier“, scherzt Cain über Martin, der tatsächlich große Bedeutung für die Mannschaft hat – auch außerhalb des Sportlichen. Im Auswandererhaus war er zwar noch nicht mit Jason Cain, „aber er hat mir schon ein bisschen die Stadt gezeigt, alles was wichtig ist“.
So kam sein Eindruck von Bremerhaven zustande: „Eine wirklich hübsche Stadt, und die Leute sind echt nett.“ Einmal, als er ein bisschen verloren in einer Bank stand, erzählt er, kam ein wildfremder Mensch auf ihn zu und bot Hilfe an. „So etwas hab ich noch nirgendwo anders erlebt.“ Für solche freundlichen Kleinigkeiten will sich der Basketballer demnächst mit sportlichen Großtaten revanchieren.
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