
Sechs Niederlagen in sechs Spielen – die Tübinger Mannschaft, die am Sonntag bei den Eisbären antreten muss (15.30 Uhr, Stadthalle), hat einen klassischen Fehlstart hingelegt. Daran konnte auch Campbell, den die Schwaben kurz vor Beginn der Saison als Führungsspieler verpflichtet hatten, nichts ändern. Bei seinen bisherigen Auftritten warf der Spielmacher im Schnitt 8,2 Punkte, holte 4,5 Rebounds und lieferte seinen Mitspielern 3,3 Vorlagen. Zum Vergleich: In der Saison 2009/2010 war Campbell im Eisbären-Trikot noch für 12,9 Punkte pro Partie gut – dazu kamen 5,7 Assists, was den Amerikaner damals zum besten Passgeber der Liga machte.
Mit seinen Leistungen bei den Eisbären, mit denen er das Playoff-Halbfinale und das Top-4-Turnier erreichte, machte Campbell andere Klubs auf sich aufmerksam. Den Zuschlag erhielten die EWE Baskets Oldenburg, die Eisbären hatten trotz eines deutlich verbesserten Angebots keine Chance. „Wir waren bereit, mit Lou auch über einen Zwei-Jahres-Vertrag zu reden. Aber es war früh klar, dass da nichts gehen würde“, erinnert sich Jan Rathjen. Dass sich die Wege bereits nach einer Spielzeit wieder trennten, nimmt der Eisbären-Manager dem Spielmacher jedoch nicht übel: „Wenn so ein Angebot kommt wie von Oldenburg, muss man zugreifen. Da sind Wahnsinnssummen im Spiel gewesen.“
Für Campbell entpuppte sich der Wechsel nach Oldenburg als Reinfall. Baskets-Coach Predrag Krunic wusste mit dem selbstbewussten Neuzugang wenig anzufangen, setzte Campbell mal als Spielmacher, mal als Shooting Guard ein. Dass für die Oldenburger in der vergangenen Saison bereits im Playoff-Viertelfinale Endstation war, wurde in hohem Maße Campbell angekreidet – es kam zur Trennung, obwohl bei seiner Verpflichtung noch offiziell von einem Zwei-Jahres-Vertrag die Rede gewesen war. Insider gehen deshalb davon aus, dass Campbell der Abgang aus Oldenburg mit einer stattlichen Abfindung versüßt wurde.
In Tübingen muss der Routinier, der seine Europa-Karriere einst unter Eisbären-Trainer Doug Spradley in Paderborn gestartet hatte, ein Team führen, das zu den jüngsten der Liga zählt. Neuzugänge wie Center Adnan Hodzic, Flügelspieler Tyrone Nash und Guard Josh Young sind noch keine 24 Jahre alt. „Für mich ist diese Rolle ganz neu“, räumt Campbell ein. Unterschätzen wollen die Eisbären „Lous Kindergarten“ jedoch nicht, sagt Rathjen: „Den Fehler sollte man nicht machen, mit der Einstellung ins Spiel zu gehen: Da kommt der Letzte, die schlagen wir auf jeden Fall. Das wird alles andere als einfach.“ Die Chancen auf einen neuen Rekord – die Eisbären sind noch nie mit vier Heimsiegen in eine Saison gestartet – dürften dennoch günstig stehen.
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