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Mehr Therapie für Sex-Täter

Hannover. Mehr Platz in niedersächsischen Gefängnissen: Nach Darstellung von Justizminister Bernd Busemann (CDU) hat sich die Belegungssituation in den Haftanstalten im Vergleich zu 2003 entspannt, mehr Gefangene sind in Einzelzellen untergebracht.

Die Quote der Einzelunterbringung sei aufgrund neuer Anstalten in Sehnde und Rosdorf von früher 50 Prozent auf jetzt rund 82 Prozent gestiegen, berichtete Busemann gestern.

   Rund 20 000 Häftlinge durchlaufen pro Jahr die niedersächsischen Gefängnisse. 49 Standorte des Justizvollzugs – der Jugendarrest eingeschlossen – gibt es in dem Bundesland. 7000 Haftplätze stehen zur Verfügung. Es sitzen durchschnittlich rund 6000 Häftlinge ein.

Weniger Enge in den Haftanstalten habe auch weniger Stress und Gewalt zur Folge, sagte der Justizminister. Zudem sei in zehn der 13 Haftanstalten des geschlossenen Vollzugs kein Gefangener gegen seinen Willen zusammen mit einem Mitgefangenen untergebracht.

Busemann will außerdem mehr Sexualstraftätern eine Sozialtherapie in Haft ermöglichen. „Ich bin kein Freund von wegschließen und fertig“, sagte er. Derzeit gebe es 268 Therapieplätze, der Bedarf werde auf mehr als 300 geschätzt. Eine Sozialtherapie besteht aus einer Psychotherapie und sozialem Lernen in Wohngruppen.

 Der Justizminister wies Kritik zurück, dass Gefangene in Niedersachsen nicht mehr heimatnah untergebracht werden können. Die geplante neue Haftanstalt in Bremervörde solle hier eine Lücke im Norden des Bundeslandes schließen. Diese Justizvollzugsanstalt mit geplanten 300 Haftplätzen wird erstmals in Niedersachsen von einem privaten Investor gebaut und teils auch betrieben. Die Grünen lehnen das Projekt ab.

Busemann betonte, er wolle den Übergang entlassener Gefangener in die Freiheit weiter verbessern. Nur wenn es gelinge, die Integration von Gefangenen in die Gesellschaft zu ermöglichen, werde auch der Schutz der Allgemeinheit gesichert, sagte er. Der Justizminister setzt unter anderem auf sogenannte Entlassungskoordinatoren als feste Ansprechpartner im Vollzug. (dpa)

Artikel vom 03.09.10 - 07:00 Uhr
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