
„Wir können uns in dieser Phase der Saison keine Auszeit nehmen“, kann Chris McNaughton mit dem Verzicht auf freie Tage umgehen. Das Nordderby gegen Oldenburg ist für den Eisbären-Center und seine Teamgefährten das dritte Spiel seit Weihnachten – ein Pensum, das an den Kräften zehrt. „Man merkt schon, dass uns mit Torrell Martin ein wichtiger Spieler fehlt. Es ist eine schwierige Situation“, sagt McNaughton. „Zum Glück dosiert der Coach die Belastung im Training, so dass ich davon ausgehe, dass wir gegen Oldenburg wieder angreifen können“, verteilt der 29-Jährige ein Lob an Eisbären-Trainer Doug Spradley.
Für McNaughton ist das Nordderby eine Begegnung mit der Vergangenheit – der 2,11 Meter große Center ist im Sommer in Oldenburg aussortiert worden. Die Mannschaft von Trainer Predrag Krunic musste bereits im Playoff-Achtelfinale die Segel streichen – zu wenig für die Ansprüche beim deutschen Meister des Jahres 2009. „Es war eine verkorkste Saison für uns alle“, blickt McNaughton zurück. Der deutsche Nationalspieler war nicht der einzige Profi, der gehen musste – auch Spielmacher Louis Campbell, den die Baskets mit großem finanziellen Aufwand von den Eisbären weggelotst hatten, erhielt den Laufpass.
Auf sein Scheitern in Oldenburg blickt McNaughton gelassen zurück. Für Revanchegelüste gibt es auch keinen Anlass, denn der Wechsel nach Bremerhaven hat sich für den Center als Glücksfall entpuppt. Aus dem „Kurzarbeiter“ McNaughton, der im Baskets-Trikot im Schnitt nur zehn Minuten auf dem Parkett stand und dabei auf 5,1 Punkte sowie zwei Rebounds kam, ist ein absoluter Leistungsträger im Spradley-Team geworden. Bei den Eisbären beträgt seine durchschnittliche Spielzeit bislang knapp 24 Minuten, in denen er pro Partie 10,9 Punkte und fünf Rebounds gesammelt hat. „Ich bin froh, dass es persönlich so gut für mich läuft. Aber wichtiger ist, dass wir als Mannschaft Erfolg haben. Wie groß mein Anteil dann daran ist, muss man sehen“, sagt McNaughton bescheiden.
Ein gutes Beispiel, wie wertvoll seine Dienste für die Eisbären sind, lieferte McNaughton am Freitag beim 79:71-Heimsieg gegen Würzburg ab. Früh entnervt durch zwei umstrittene Foulpfiffe lief bei dem Hünen, dem Effektivität wichtiger ist als spektakuläre Aktionen, in der ersten Halbzeit überhaupt nichts zusammen. Umso bemerkenswerter war es, wie McNaughton mit 13 Punkten und zwei geblockten Würfen im zweiten Durchgang zurück ins Spiel fand. „Die erste Halbzeit war frustrierend. Ich habe mich durch den Ärger über die Schiris selbst aus dem Spiel genommen. Aber am Ende ist es sehr gut für mich gelaufen. Es hat Spaß gemacht, wie wir gespielt haben“, sagt McNaughton, der auf eine Fortsetzung gegen Oldenburg hofft: „Den Schwung wollen wir ins neue Jahr mitnehmen.“
Mit Oldenburg wartet heute freilich ein anderes Kaliber auf die Eisbären als Würzburg. „Man sieht, was sie für eine Qualität haben, vor allem wenn sie als Mannschaft zusammenspielen“, schildert McNaughton seine Eindrücke aus dem Videostudium des Gegners. Besonderes Augenmerk müssen die Eisbären auf den NBA-erfahrenen Spielmacher Bobby Brown richten, der mit 18,1 Punkten im Schnitt bester Werfer der Liga ist. „Wenn wir ihn kontrollieren können, haben wir eine Chance“, meint McNaughton.
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