Aus der Blütezeit der Hochseefischerei hat Engel-Netze im Fischereihafen sich in die Neuzeit gerettet. Immer noch stehen Netze im Mittelpunkt, doch der Fertigungs- und Vertriebsschwerpunkt hat sich gewandelt. War früher der Standort wegen der Nähe zur Hochseefischerei so wichtig, ist es heute der Containerhafen. Rohware und viele Dinge, die das Unternehmen mit 25 Mitarbeitern heute verkauft, werden aus Übersee zugeliefert und hier nur noch konfektioniert.
Hans-Hermann Engel: „Die Arbeit ist eine andere geworden, aber unsere Erfahrungen nutzen uns auch dabei.“ Der heute 74-Jährige kann zwar immer noch mit Modellen und inzwischen am Rechner eigene Fangnetze entwickeln, doch gefragt ist sein Wissen heute vor allem für Spezialnetze, beispielsweise für die Fischerei- und Meeresforschung.
„Wir liefern alle Netze außer den Netzen für Sport- und Fußballtore“, umreißen seine Neffen Michael und Markus Engel die Bandbreite. Doch statt Hochseefischer, die bei der Verlagerung 1969 nach Bremerhaven im Vordergrund standen, sind es heute die Binnenfischer. Ob Fangnetze, Schutznetze, Reusen oder Hälternetze – das passende Angebot lässt sich in der langen Lieferliste schnell finden oder zusammenstellen. Doch auch Netze für Vogelvolieren, Vogelschutz von Obstbäumen, Netze für Müllcontainer und für Lukenabdeckungen, Lastnetze für Hubschrauber, die genau nach Spezifikationen angefertigt und ausgestattet werden müssen, und auch die Netze für Laster-Ladungen – die Bandbreite ist groß. Die meisten Netze sind Maßarbeit.
Engel: „Wir dürfen uns keine Schlamperei erlauben. Die Mund-zu-Mund-Propaganda ist nicht nur unter Berufsfischern sehr verbreitet. Wenn da ein Lieferant Unbrauchbares liefert, ist der sofort weg vom Fenster. Über Funk oder bei Treffen verbreitet sich das schnell.“
Genauso schnell aber auch Lob oder Dank für besonderen Service. Auch Erfahrungen mit bestimmten Materialzusammensetzungen oder Farben sind ein wichtiger Punkt.
Das Netzmaterial wird in großen Gebinden schon gestrickt von Lieferanten aus Asien bezogen. Engel: „Das selbst zu machen lohnt sich nicht mehr. Aber bei uns findet die Konfektion und die Zusammenstellung statt. Und das erfordert viel Erfahrung und große Zuverlässigkeit.“ So unternehmen er und seine Neffen häufig Reisen zu ihren Lieferanten und überzeugen sich vor Ort von deren Qualitätssicherung.
Spezielle Aalreusen und Aalrohre sind Eigenentwicklungen. Engel: „Wir haben das Werkzeug gestellt und nun bekommen wir die fertigen Kunststoffteile dafür geliefert. Das lohnt sich und ist ein interessantes Produkt.“
Selbst maritimes Deko-Material ist inzwischen ein Renner. Engel: „Das wollten die Fischer, die auch Verkauf und Restaurants haben, auch von uns zugeliefert haben.“ So gehören inzwischen Rettungsringe, Positionslichter und Steuerräder zum Angebot. Ein wichtigerer Teil ist aber die Ausrüstung beispielsweise mit Ölzeug. „Das muss völlig dicht sein. Da verstehen unsere Kunden keinen Spaß.“ So gehört jetzt besonderes warmes Ölzeug aus Neuseeland zum Angebot. Bei den Gummistiefeln sind es Hersteller aus Dänemark. Engel: „Wir kaufen für unsere Kunden da ein, wo das jeweils Beste für sie produziert wird.“
Vorgestellt wird das nicht nur in einem Katalog, für das Hans-Hermann Engel sogar die Bilder selbst macht. „Diese Fähigkeiten habe ich mir angeeignet, genauso wie ich schon früh auf das Internet setzte.“ Dort wird inzwischen ein großer Anteil des Engel-Umsatzes gemacht. Das Unternehmen gehört dabei zu den Marktführern im weltweiten Netz in seinem Bereich und liefert längst auch ins Ausland. Doch auch die heimische Kundschaft hat Familie Engel nicht vergessen. Ein eigener Shop an der Carsten-Börger-Straße bietet Schau- und Kauflustigen das gesamte Angebot von Angelhaken über Netze und andere Fischereiausrüstung und Zubehör.
Heute werden von den Hallen mit einer Fläche von 4000 Quadratmetern inzwischen 5000 verschiedene Fischereiartikel gefertigt, konfektioniert und in die gesamte Welt geliefert.
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