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Lange Gesichter bei den Eltern


Dorum. Die Spannung im Forum des Schulzentrums war zu spüren, als die Kreisverwaltung gestern Nachmittag die Katze aus dem Sack ließ: 476 von 1400 Eltern der Erst- bis Viertklässler im Nordkreis würden ihr Kind auf eine Gesamtschule in Dorum schicken. Zu wenige, um die erste Gesamtschule im Cuxland zu gründen, betonte der zuständige Dezernent Friedrich Redeker. Von Inga Hansen


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Die Gesamtschule können die Eltern erst einmal streichen : Im Cuxland wird es vorerst keine geben. Foto Schütz

Lange Gesichter in den Zuschauerreihen. Viele Eltern haben für die Gesamtschule gekämpft, sie haben eine Initiative gegründet, die die SPD dankbar aufgenommen und in den Kreistag getragen hat. An der Küste ist das Interesse an der Gesamtschule besonders groß, weil es dort nicht einmal ein Gymnasium gibt. Nun müssen sich diese Eltern damit abfinden, dass die Zustimmung für die neue Schule nicht ausreicht. Nur bei den Eltern der Viertklässler sind 130 potenzielle Gesamtschüler zusammengekommen – gerade genug Schüler für die hohen Hürden der Landesregierung, die für die Neu-Gründung einer Gesamtschule mindestens fünf Parallelklassen fordert.

CDU-Widerstand bröckelt

Auf dem platten Land ist das überhaupt nicht zusammenzubekommen, sind sich viele einig. Nicht nur in den Reihen der SPD und der Grünen, die sich seit langem für das gemeinsame Lernen stark machen. Auch in der CDU bröckelt der Widerstand gegen die lange verpönte Gesamtschule. Immer öfter melden sich niedersachsenweit CDU-Kommunalpolitiker zu Wort, die die Gründung neuer Gesamtschulen erleichtern wollen. Vier Parallelklassen reichten aus, sagen sie. Im Kultusministerium in Hannover wird mittlerweile über einem Schulstruktur-Konzept gebrütet.

Die Cuxland-SPD nahm das zum Anlass, die Gesamtschul-Pläne trotz des Umfrage-Rückschlags voranzutreiben. Sie plädierte im Schulausschuss dafür, angesichts des deutlichen Interesses der Eltern die Gesamtschule in Dorum beim Land zu beantragen. „Die Erfahrungen anderswo haben gezeigt, dass die Zahlen spielend erreicht werden, wenn die Gesamtschule erst einmal da ist“, begründete Henry Kowalewski (SPD). Und sein Mitstreiter Martin Bensen gestand: „Wir wollen dem Land Dampf unter dem Kessel machen.“

Die CDU-Kollegen im Kreis aber wollten sich nicht einheizen lassen. „Reine Augenwischerei“ sei ein solcher Antrag, weil er keinerlei Aussicht auf Erfolg habe, betonte Astrid Vockert, auch Schulpolikerin im Landtag. „Damit wecken Sie nur Hoffnungen bei den Eltern, die nicht erfüllt werden können.“ Ihr Fazit: Man müsse das Umfrage-Ergebnis akzeptieren. Die Gesamtschule sei nun mal gescheitert, aber in einem Jahr, wenn das neue Schulkonzept in Hannover vorliege, könne man überlegen, was man den Wurster Eltern an besseren Angeboten machen könne.

Denn auch die eingefleischten Anhänger des dreigliedrigen Schulsystems mussten eingestehen: „Die Umfrage hat gezeigt, dass bei den Eltern ein massiver Wunsch nach Veränderung besteht“, betonten Helmut Wagner (FDP) wie Titus Nesper (CDU). Und CDU-Fraktionschef Claus Götjen betonte: „Wir wollen doch etwas für Land Wursten tun.“

Den Eltern im Saal reichte das nicht. „Wir sind bedient“, rief ein frustrierter Vater, nachdem der Ausschuss nach einem Patt bei der Abstimmung das Thema Gesamtschule ohne Empfehlung an den Kreistag verwies. Dort hat die CDU die Mehrheit. Es ist also nicht damit zu rechnen, dass am 22. September der Antrag auf eine Gesamtschule in Dorum auf den Weg gebracht wird.


Artikel vom 02.09.10 - 16:00 Uhr
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