
Der Ausschuss soll die tödliche Infektionswelle auf der betroffenen Frühchen-Station aufklären. Seit April hatten sich mehrere Babys mit einem gefährlichen Darmkeim angesteckt, drei von ihnen starben. Huppertz werde vorerst keine Erklärung abgeben, weil die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittele und er von dieser noch nicht gehört worden sei, sagte sein Anwalt. Der ehemalige Chefarzt habe vier fristlose Kündigungen erhalten, die ihm gegenüber jedoch nicht begründet worden seien. Solange ihm nicht bekannt sei, welche Vorwürfe gegen ihn vorlägen, werde Huppertz keine Erklärung abgeben. Sobald dies jedoch geschehen sei, wolle der ehemalige Chefarzt intensiv aufklären, so sein Anwalt weiter.
Huppertz war nach Bekanntwerden des Keimausbruchs im November fristlos entlassen worden. Die Geschäftsführung des Klinik-Verbundes Gesundheit-Nord wirft ihm vor, nicht rechtzeitig auf die Infektionswelle reagiert zu haben.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 58-jährigen Huppertz wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Es sei nicht ungewöhnlich, dass der Mediziner noch nicht gehört worden sei, sagte Frank Passade, Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft. Zunächst müsse eine „vernünftige Ermittlungsbasis“ geschaffen werden, um überhaupt die richtigen Fragen stellen zu können. Soweit seien die Ermittlungen jedoch derzeit noch nicht, sagte Passade. Ob neben Huppertz weitere Personen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden müssten, müssten die weiteren Ermittlungen zeigen, so der Staatsanwalt weiter.
Auch die vier geladenen Oberärzte der betroffenen Frühchen-Station sowie zwei Hygiene-Expertinnen des Klinikums Bremen-Mitte verweigerten ihre Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. Einige von ihnen hätten bereits Angaben gegenüber der Polizei gemacht, sagte ihr Anwalt Erich Joester.
Der Untersuchungsausschuss will nun mit Joester klären, ob seine Mandanten zumindest Teilaussagen treffen könnten. „Wir sind der Meinung, dass nicht alle Zeugen ein komplettes Aussageverweigerungsrecht haben“, sagte die Ausschussvorsitzende Antje Grotheer (SPD). Sie schloss nicht aus, beim Amtsgericht Zwangsgelder für die Zeugen zu beantragen, die ihre Aussage weiterhin verweigerten. In der nächsten Woche will der Ausschuss die Geschäftsführung des Klinikums Bremen-Mitte befragen.
8. August 2011: Ein Frühchen stirbt an der Infektion.
7. September 2011: Die Klinikleitung informiert das Bremer Gesundheitsamt.
16. Oktober 2011: Ein zweites Kind stirbt an der Infektion.
27. Oktober 2011: Das dritte Baby stirbt. (dpa)
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