
Am Ende hatten die Bremerhavener, die erst ihr zweites von zwölf Heimspielen gegen die Berliner gewannen, auch das Glück auf ihrer Seite, denn der Dreier von Nationalspieler Heiko Schaffartzik zwei Sekunden vor der Schlusssirene sprang auf den Ring und von dort zurück ins Feld. Eisbär Mike Smith hatte den Berliner mit einem großen Satz etwas aus der Balance gebracht. Die Bremerhavener hüpften über das Feld, allen voran Coach Doug Spradley und Manager Jan Rathjen. Jubel, wohin man auch sah.
Mittendrin stand einer, der zeigte keine Regung. Das war Terrell Everett, der den größten Anteil am Sieg hatte. Denn der Amerikaner lieferte eine Gala-Vorstellung ab. Spradley hatte den Linkshänder ob dessen lustloser Vorstellung in Trier am Freitag aus der Startformation genommen. Das hatte gesessen, das stachelte Everett zu einer großen Leistung an. Im Schlussviertel gab er für Jamison Brewer den Takt an, das war großer Sport.
Möglich wurde der Sieg erst, weil Spradley mit einer Zonenverteidigung der entscheidende Schachzug gelang. „Ich wollte etwas bewirken und habe volles Risiko gespielt, das hat geklappt“, freute sich der Coach. Mit der Raumverteidigung der Gastgeber kam der deutsche Vizemeister nicht zurecht.
Mit elf Punkten lagen die Eisbären, die 35 Minuten lang kämpften wie die Löwen und den miserablen Eindruck vom Trier-Spiel vergessen machten, nach 30 Minuten hinten. Und dann starten sie eine geniale Aufholjagd. Plötzlich war auch Jason Cain wieder ein Faktor, der bis dahin nicht in Erscheinung getreten war. Er holte mit Zach Peacock, nach Everett (17) mit 16 Punkten zweitbester Eisbären-Werfer, einige Rebounds, verteidigte gut gegen Albas Riesen.
Nach einem Dreier von Marko Simonovic lagen die Eisbären mit 12 hinten (45:57), Everett gelang ein Dreipunkt-Spiel. Dann hatte Mike Smith, der stark verteidigte, einen Ballgewinn, ging auf und davon und schloss per Dunking ab. Die Halle, in der es im dritten Viertel ganz ruhig wurde, war wieder da, nur noch sieben Punkte Rückstand. Auszeit Berlin, danach sofort wieder Ballgewinn durch Smith. Everett startete durch, wurde von Bryce Taylor gefoult, die Referees entschieden auf unsportliches Foul. Everett traf nur einen Freiwurf, die Gastgeber blieben aber in Ballbesitz. Kapitän Torrell Martin traf aus der Mitteldistanz zum 53:57 (32.).
Everett hatte den nächsten Steal, wurde beim erfolgreichen Korbwurf wieder gefoult und netzte auch den Bonus-Freiwurf ein. 56:57, die Stimmung war auf dem Siedepunkt. Cain verwandelte einen Dreier aus der Ecke, die Eisbären lagen mit 59:57 vorn. Wieder Auszeit Gordon Herbert, aber nach Pass von Smith traf Peacock zum 61:57. Das war ein 16:0-Lauf. Wann hat man den schon mal gegen den deutschen Vizemeister?
Dann schoss Everett dem Gast zwei Dreier um die Ohren, 67:60. Aber ALBA konterte durch Nationalspieler Lucca Staiger. Auch der traf zweimal von jenseits der Linie und hielt Berlin im Spiel. 69:66. Aber irgendwie schafften es die Eisbären mit viel Kampf und auch Geschick, den knappen Vorsprung zu halten. Sie verteidigten stark, kämpften, kratzten und bissen – so muss sich eine Mannschaft präsentieren. Dann können sie auch gegen den Vizemeister gewinnen.
„Ich freue mich für die Mannschaft. Sie hat die richtige Antwort auf die schwache Leistung in Trier gezeigt. Sie haben an sich geglaubt – und somit auch verdient gewonnen“, so Spradley. Zur Belohnung gab es anderthalb Tage frei.
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