In Bremerhaven ist der Anteil der Kinder unter drei Jahren, die in Armut aufwachsen, mit 44,9 Prozent am größten. Das bedeutet, dass fast jedes zweite Kleinkind unter erschwerten Bedingungen aufwachsen muss. In großem Abstand folgen die Landkreise Wesermarsch (26,2), Cuxhaven (20,1) und Stade (19,1). Am niedrigsten ist die Kleinkinderarmut im Landkreis Rotenburg (14,5). Die Landkreise Cuxhaven, Stade, Rotenburg liegen aber unter dem Niedersachsen-Durchschnitt von 20,2 Prozent.
Bei den Kindern unter 15 Jahren ist der Armutsanteil kleiner, die Rangfolge der Landkreise bleibt erhalten. Bremerhaven liegt mit einem Anteil von 37,6 Prozent weit vorne, es folgen die Landkreise Wesermarsch (18,6), Cuxhaven (15,7), Stade (14,9) und Rotenburg (10,9). Was neben der unterschiedlichen Wirtschaftskraft die Gründe für das Auseinanderklaffen sind, wurde in der Studie nicht erforscht.
Gleichzeitig ist jedoch die Anzahl der Haushalte gestiegen, die den Kinderzuschlag beziehen. Der wird gezahlt, um zu verhindern, dass Familien wegen ihrer niedrigen Einkommen nur aufgrund der Kinder in Hartz IV rutschen. Das zeigt, dass der Anteil der armen Kinder noch höher ist, was auch die Expertin an einem anderen Punkt deutlich macht: „Die Statistik erfasst nur die bekämpfte Armut“, erklärt Kruse. „Familien, die knapp über dem Hartz-IV-Satz liegen und keine staatliche Hilfe erhalten, tauchen in der Statistik nicht auf.“
Als Konsequenz aus der hohen Kinderarmut fordert die Bertelsmann Stiftung, dass die Politik in den betroffenen Landkreisen mehr Geld in eine gezielte Förderung der Brennpunkte investiert. „Es gibt gute Beispiele, wie Familien früher als mit der klassischen öffentlichen Kinderbetreuung erreicht werden können“, weiß Bertelsmann-Expertin Kruse. Sie verweist etwa auf Familienhebammen, die schon früh den Kontakt zu den betroffenen Familien suchen können, um über Hilfsangebote zu informieren.
„Die Angebote für die Familien müssen in ihrem jeweiligen Wohnumfeld sein“, betont Kruse. So könnten Kindertagesstätten in Familienzentren umgewandelt werden, um schon Eltern mit Kleinkindern zu erreichen. „Da kommt es auf eine niedrige Hemmschwelle an“, betont Kruse, damit auch Familien mit Migrationshintergrund erreicht würden. So böten Elterncafés die Chance, dass sich Mütter mit Kleinkindern in einer lockeren Runde im Beisein einer Sozialarbeiterin austauschten. Dabei erführen sie ganz beiläufig, welche Unterstützung es für sie gebe.
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