X Diesen Artikel versenden


Absender-E-Mail*
Empfänger-E-Mail*
Nachricht*

szmtag

Im Zentrum des Sturms

Sein Buch löst seit Tagen Empörung aus, nun hat Thilo Sarrazin es persönlich vorgestellt. Den Proteststurm genießt er. Burkhard Fraune

bild vergrößern
„...ist es uns gelungen, das durchgeknallte Chromosom in Herrn Sarrazins Erbgut zu lokalisieren...“

Womöglich redet er sich gerade um Kopf und Kragen, Thilo Sarrazin kratzt das wenig. 65 Jahre ist er alt, jahrzehntelang hat er anderen die Stichwörter geliefert, die Reden geschrieben. Nun ist er selbst an der Reihe und kostet den Moment aus: In der Bundespressekonferenz, Reichstag und Kanzleramt in Sichtweite, betritt der Bundesbank-Vorstand die große politische Bühne und stellt sein umstrittenes Buch vor. Ob seine Karriere das überlebt, ist fraglich.

Fast 30 Kamerateams sind zu Sarrazins Buchvorstellung gekommen, weit über hundert Journalisten – ein Andrang, wie es ihn bei kaum einer politischen Pressekonferenz gibt. Sarrazin steht im Zentrum eines Sturms. Er hat mit seinen Thesen zur Integration die Kanzlerin verärgert, seine Partei entrüstet und den Bundesbank-Chef alarmiert. Doch Sarrazin blickt zurück und sagt: „Illoyal war ich nie, aber unabhängig zu jeder Zeit.“

 Sarrazin sagt, er habe es stets mit Gelassenheit ertragen, wenn seine Chefs ihn als schwierig empfunden hätten. So ist es auch jetzt: Weder der SPD noch der Bundesbank will er den Gefallen tun und hinschmeißen. Seine Analyse sei wasserdicht. In „Deutschland schafft sich ab“ warnt der Volkswirt, wegen der niedrigen Geburtenrate könnten die Deutschen zu „Fremden im eigenen Land“ werden. Auch dass Juden gemeinsame genetische Wurzeln haben, wiederholt er. Eine Wertung beinhalte dies nicht. Er wirft Einwanderern aus muslimischen Ländern mangelnde Integration vor, klagt, der Sozialstaat ziehe die Falschen an, und fordert Gegenmaßnahmen wie tägliche Meldepflichten für Langzeitarbeitslose, Kindergartenpflicht und die strikte Auswahl hochqualifizierter Zuwanderer. Vor allem die Analyse hebt er bei der Vorstellung hervor.

 Was treibt diesen Mann? Das Geld, das sein Buch einspielt, dürfte es nicht sein. Sarrazin war Staatssekretär, Manager bei der Bahn und Finanz-Senator. Der gebürtige Thüringer ist 65, könnte daheim im Berliner Westend seinen Ruhestand genießen. Sarrazin sagt: „Wenn man dem Staat so lange dient, bleibt es nicht aus, dass man ihn liebt und das Staatsvolk auch.“

Das ist zwar ziemlich dick aufgetragen, aber Sarrazin scheint auch überzeugt, dass er Deutschland wachrütteln müsse. „Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist“, eröffnet er sein Buch mit Worten Ferdinand Lassalles, des großen Manns der Arbeiterbewegung.

Das Buch enthalte die eine oder andere Zuspitzung, gesteht Sarrazin mit einiger Untertreibung. Nur mit abstrakten Statistiken erreiche man viele eben nicht. Am Ende erntet er – auch dies unüblich für politische Pressekonferenzen – tatsächlich etwas Applaus.


Artikel vom 31.08.10 - 07:00 Uhr
| drucken | versenden


11 Leserkommentare vorhanden

Seite(n)    « | 1 | 2 | »


Bitte warten - die Kommentare werden geladen ...


Seite(n)    « | 1 | 2 | »
Anzeige

Traueranzeigen

Anzeige

Unsere Heimat von oben

Die große Familienserie der NORDSEE-ZEITUNGwidmet sich seit dem 2. März 2012 dem Thema „Familienfreundlichkeit“ im Landkreis Cuxhaven.Für jeden Ort und jede Gemeinde erscheinen zur Veröffentlichung aktuelle Luftbilder. Diese Luftbilder können Sie nun auf hochwertigem Fotopapier in unseren Kunden-Centern bestellen. Hier erfahren Sie mehr.

Bad Bederkesa entdecken

Tauchen Sie ein in die neue Panorama-Erlebniswelt.

www.badbederkesa-entdecken.de

Babyseite

In unserer neuen Babyseite finden Sie die Neugeborenen aus Stadt und Land.

zur Babyseite
Anzeige

ePaper

Lesen Sie hier die aktuelle Seite 1

Zeitung

Abo Service
Abonnement
Änderungen

ePaper

Login
Abonnement

Folgen Sie uns



Folgen Sie uns bei facebook


Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

RSS - Bekommen Sie neue Topstorys direkt in den Browser oder den Feedreader geliefert.
nordholzdorumlangenbad bederkesaschiffdorfbremerhavenloxstedthagenbeverstedt

Veranstaltungen

NZ-Card

Exklusiv für Abonnenten gibt es die NZ-Card. Erfahren Sie hier mehr über die attraktiven Angebote.

zur NZ-Card

Leser werben Leser


Werben Sie einen neuen Abonnenten und Sie bekommen eine attraktive Prämie.

zum Prämienshop

Leserbriefe


Sie wollen einen Leserbrief an die Zeitungsredaktion senden? Das Kontaktformular finden Sie hier.
Anzeige

Kinoprogramm

Börseninformationen

Anzeige

NZ-Nachrichten auf Ihrer Webseite

Individuelle Nachrichtenauswahl - immer aktuell

Wir unterstützen Sie dabei gezielt diejenigen Nachrichten, die für Ihren Internetauftritt interessant sind, ohne viel Aufwand zu integrieren. Dafür haben wir ein Modul entwickelt, das Sie ganz leicht mit wenigen Klicks selbst an Ihre Anforderungen anpassen können.

mehr
Meldungen
Bartsch

Politik und Welt

Nach Lafontaines Rückzieher gerät Bartsch unter Druck Berlin (dpa) - Nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine geht der Führungsstreit bei der Linken in eine neue Runde. Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow legte Lafontaines Widersacher Dietmar Bartsch nahe, nun ebenfalls auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz zu verzichten. weiter

Weitere Artikel aus dem Ressort
Altmaier will Kompromiss bei Solar-Förderung bis Sommerpause
Union stürzt nach NRW-Wahlfiasko in Umfrage ab
Nach Amokalarm: Schule nimmt Unterricht wieder auf
Facebook-Aktie

Wirtschaft

Facebook-Börsengang wird zum Rekordflop New York (dpa) - Die Facebook-Aktie geht endgültig baden. Der Kurs ist am dritten Handelstag weiter um annähernd 9 Prozent auf 31 Dollar eingebrochen. Ein Anleger, der zum Ausgabepreis von 38 Dollar gekauft hatte, verlor somit zum Ende des Handels am Dienstag 18 Prozent seines Geldes. weiter

Weitere Artikel aus dem Ressort
Entscheidung über Schlecker-Zukunft naht
Commerzbank-Management muss mit Aktionärsschelte rechnen
Metro-Aktionärstreffen nach turbulentem Jahr
Hertha-Anwalt

Sport

«Bild»: Hertha will Urteil am Freitag akzeptieren Berlin (dpa) - Hertha BSC Berlin will wohl das Urteil des DFB-Bundesgerichts zum Düsseldorfer Skandalspiel in der Bundesliga-Relegation akzeptieren. weiter

Weitere Artikel aus dem Ressort
Bayern besiegt Oranje-Team mit 3:2 - Pfiffe gegen Robben
Meeuw und Mensing schwimmen zu EM-Silber
Mayer besiegt im Schnelldurchgang Dodig
Raubsaurier aus der Jurazeit

Wissenschaft

Raubsaurier aus der Jurazeit gefunden München (dpa) - Forscher haben in Südamerika ein Raubsaurier-Fossil aus der Jurazeit entdeckt. Es handelt sich um einen Abelisaurier. Das Besondere: Das Tier, dessen Überreste in Patagonien ausgegraben wurden, lebte 40 Millionen Jahre vor dem bislang ältesten bekannten Vertreter der Gruppe. weiter

Weitere Artikel aus dem Ressort
Laternen verändern die Insektengemeinschaft am Boden
Risiko von Reaktorkatastrophe größer als angenommen
Computer-Schach nur via Hirnströme
Shermin Langhoff

Boulevard

Shermin Langhoff übernimmt Berlins Gorki-Theater Berlin (dpa) - Eine türkischstämmige Frau als Chefin eines deutschen Staatstheaters - das hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Shermin Langhoff wird als Intendantin des Maxim Gorki Theaters in Berlin 2013 die erste sein. weiter

Weitere Artikel aus dem Ressort
Höchster Fernsehturm der Welt in Tokio eröffnet
Große Dürer-Schau in Nürnberg
TV-Moderatorin Miriam Pielhau bringt Tochter zur Welt