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Idomeneo effektvoll in Szene gesetzt


Bremen. Neue Wege zur Bühnengestaltung beschreitet das Theater in Bremen. Für Mozarts „Idomeneo“ entwarf die Firma Urbanscreen eine kubusartige Holzkonstruktion, die sich punktgenau und computergesteuert ausleuchten lässt. Sie setzte die gelungene Premiere in das richtige Licht. Von Wolfgang Denker


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Überzeugend: Idamante (Nadja Stefanoff), Elettra (Patricia Andress), Idomeneo (Luis Olivares Sandoval, von links) bei der Idomeneo-Premiere.

Mit seinen abstrakten geometrischen Formen erinnerte das Ergebnis an das Berlin der zwanziger Jahre. Nur kommt hier die moderne Technik hinzu, die Lichtstimmungen in feinsten Schattierungen variieren oder mittels Projektionen optische Effekte wie Meereswellen simulieren kann. Der Gefahr und Versuchung, diese Verschmelzung von „digitaler und analoger Kunst zu neuen Gestaltungsräumen“ zum Selbstzweck verkommen zu lassen, ist man nicht erlegen.

Ästhetisch und blutvoll

Dafür garantierte auch Regisseur Kay Kuntze, dem eine äußerst ästhetische, gleichermaßen artifizielle wie blutvolle Inszenierung gelungen ist, der man durchaus Modellcharakter zusprechen kann. Kuntze bemühte keine modischen Zutaten und keine Aktualisierungen. Er präsentierte die Oper in zeitloser Gültigkeit und fast wie eine antike griechische Tragödie.

Um die handelt es sich ja auch: Idomeneo hat dem Meeresgott Poseidon nach seiner Rettung aus Seenot versprochen, den ersten Menschen, den er am Strand trifft, zu opfern. Unglücklicherweise ist das sein Sohn Idamante.

Kuntze hat in seiner Personenführung und in den Bewegungsabläufen vor allem auf die Verdeutlichung der Seelenzustände der Figuren gesetzt, – Kunstfiguren muss man schon sagen – indem er ihre Emotionen mit sinnfälliger Gestik unterlegte. Insgesamt ist eine fesselnde, dem Werk adäquate Interpretation gelungen.

Nachgebaute Instrumente

Das gilt auch für Markus Poschner am Pult der Bremer Philharmoniker. Er ist kein absoluter Verfechter des Originalklangs, hat aber Hörner, Trompeten und Pauke nachbauen lassen. Der sehr durchsichtige, historisch orientierte Klang kam der Musik sehr entgegen. Poschner musizierte durchsichtig, im Rhythmus federnd und, etwa in der Sturmmusik, mit veritabler Dramatik.

Das Sängerensemble konnte rundum überzeugen. Nadja Stefanoff als Idamante bescherte mit ihrem schlanken, ausdrucksvollen Mezzo reinstes Mozart-Glück. Als Ilia setzte Nadine Lehner nicht unbedingt auf ätherische Klänge, sondern gab der Partie eine gewisse Dramatik, die die existenzielle Seelennot der Figur gut verdeutlichte. Patricia Andress gingen die rachsüchtigen, furienhaften Züge der Elettra etwas ab. Sie wirkte, bei untadeliger Gesangsleistung, eher brav.

Die Titelpartie wird oft mit einem Tenor besetzt, der auch bei Verdi und Puccini zu Hause ist. Luis Olivares Sandoval gehört auch dazu, der den Idomeneo mit kraftvollem und dennoch kultiviertem Tenor sang. Der Oberpriester ist in dieser Inszenierung Neptun persönlich: Ein schwarz geschminktes und ebenso gekleidetes Alter Ego Idomeneos, das in der Verkörperung durch Christian-Andreas Engelhardt selbst im stummen Spiel unglaubliche Bühnenpräsenz erhielt. Randall Bills überzeugte als Arbace mit schlankem Mozart-Tenor, Jakob von Borries gab mit zartem Knabensopran die göttliche Stimme. Begeisterter Jubel für eine gelungene Premiere.

Auf einen Blick

Was: Wolfgang Amadeus Mozart: Idomeneo in italienischer Sprache

Wo: Theater am Goetheplatz in Bremen

Wann: bis 24. Juni

Karten: 04 21 / 36 53 33 3

www.bremertheater.com

Artikel vom 29.03.11 - 07:00 Uhr
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