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„Gymnasien am besten ganz abschaffen“

Von Kurt-Peter Christophersen, Büro Hannover Hannover/Lüneburg. Gymnasien sollen in Gesamtschulen umgewandelt werden. Mit dieser Idee mischt der Lüneburger Erziehungswissenschaftler Professor Matthias von Saldern die Debatte um Niedersachsens Schulen auf.

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Soll das Kreisgymnasium Wesermünde (in Bremerhaven) zu einer Gesamtschule werden? Das schlägt ein Forscher für alle Gymnasien Niedersachsens vor. Foto: nz

Damit reagiert der Leiter des „Instituts für Sozialwissenschaftliche Studien“ auf die neuste Entscheidung der Landesregierung. Sie verordnet den Gesamtschulen das Turbo-Abitur nach 12 Schuljahren. Bisher hatten die Abiturienten an Gesamtschulen 13 Jahre Zeit, ein Jahr mehr als die Absolventen an den Gymnasien.

Doch wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Schulformen bleiben unangetastet. So gibt es in den Gymnasien sowohl das Sitzenbleiben als auch die Rückstufung auf die Realschule, was die Kultusbürokraten „Abschulen“ nennen. Die von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) propagierten „gleichen Bedingungen“ seien deshalb erst erfüllt, wenn die Gymnasien das Sitzenbleiben ebenso abschafften wie das Abschulen, so von Saldern.

Neben pädagogischen Gründen gegen das „international unübliche“ Sitzenbleiben führt der Institutschef finanzielle Überlegungen an: „Ein Klassenwiederholer verursacht rund 25 000 Euro Kosten. Da die Gesamtschule künftig ohne Sitzenbleiber nach zwölf Jahren zum Abitur führt, ist sie für den Steuerzahler günstiger als das Gymnasium.“ Der Professor rät deshalb zur Prüfung, „ob die Gymnasien angesichts der Finanzkrise zu Gesamtschulen weiterentwickelt werden müssen“. Das Kultusministerium wollte gestern zum Vorschlag aus Lüneburg nicht Stellung nehmen. Er liege dem Ministerium nicht in ausführlicher Form vor, heißt es.

Mit dem Turbo-Abitur für Gesamtschulen werde es dort „künftig die normalen Bedingungen wie überall im Land geben“. Das sieht der Vorsitzende des Landeselternrats, Matthias Kern, ganz anders: „Die Landesregierung ist dabei, die Gesamtschule sturmreif zu schießen.“ Aber sie könne keine Studie vorlegen, „die belegt, dass das gegliederte Schulsystem dem integrierten überlegen ist“.

Von dem gegliederten Schulsystem mit dem Gymnasium an der Spitze will die Berufsvertretung der Gymnasiallehrer nicht lassen. Der Vorschlag, aus Gymnasien Gesamtschulen zu machen, „gehört in den Bereich der Satire“, sagt Guillermo Spreckels, Vorsitzender des niedersächsischen Philologenverbands. Er empfindet die Kritik als einen „feindseligen Angriff“. Erziehungswissenschaftler von Saldern müsse doch am besten wissen, dass an den Gymnasien nicht mehr so wie vor 30 Jahren gearbeitet werde, sagt der Lüneburger Lehrer Spreckels. Schließlich habe er die Tochter des Professors selbst unterrichtet.

Auch Richard Lauenstein, niedersächsischer Sprecher der Gewerkschaft GEW, bescheinigt den Gymnasien pädagogische Fortschritte: „Viele haben von den Methoden der Gesamtschulen gelernt.“ Das Lob ist allerdings für die Philologen vergiftet. Denn Lauenstein ergänzt: „Langfristig führt an einer Schule für alle kein Weg vorbei.“

Artikel vom 03.03.09 - 14:00 Uhr
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