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Giftmüll auf der „Flaminia“?


Bremerhaven/Cuxhaven. Die Lage auf der havarierten „MSC Flaminia“ ist wohl ernster als vermutet. Auf dem Containerfrachter wurden gefährlichere Stoffe transportiert als bisher bekannt. Insider fürchten, dass auch falsch deklarierter und unangemeldeter Giftmüll an Bord sein könnte. Teile der Ladeliste liegen unserer Zeitung vor. Umweltschützer befürchten ein mögliches Artensterben in der Deutschen Bucht. Von Tobias Schwerdtfeger


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Es könnte schlimmer sein als erwartet: An Bord der havarierten „MSC Flaminia“ soll auch nicht richtig deklarierter Sondermüll gewesen sein. Umweltschützer schlagen angesichts dessen Alarm. Foto Havariekommando

Die Gift-Liste der „MSC Flaminia“ ist lang. Und jedes der aufgeführten Elemente sorgt beim Betrachter für Entsetzen. „Es sind sehr giftige Stoffe an Bord“, sagt Dr. Bernd Krock, Chemiker beim Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, nachdem unsere Zeitung ihm die Ladeliste vorgelegt hat. Einige der Chemikalien würden bei der Herstellung von Kampfstoffen benutzt.

Viel größeres Kopfzerbrechen jedoch bereiten Insidern nicht näher bezifferte Teile der Fracht. Sie fürchten, dass nicht deklarierter Giftmüll in Sammelcontainern zur Entsorgung gebracht werden sollte. „Wir gehen der Sache nach, wer da wem was schicken wollte“, sagt Stephan Lutter, Meeresschutzexperte der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF). Dass falsch deklarierter Müll an Bord sei, hätten auch die Inspektoren des Havariekommandos bei ihren Untersuchungen an Bord des Havaristen festgestellt, hieß es dem Vernehmen nach. Das wollte das Havariekommando nicht bestätigen, ließ stattdessen verlautbaren, dass „die Nutzung von Sammelpositionen bei Gefahrgut“ internationalem Gefahrgutrecht entspreche und nicht besonders auf Abfälle hindeute.

Wohl seien 40 Tonnen PCB an Bord gewesen und bei dem Feuer an Bord verbrannt. WWF-Experte Lutter geht davon aus, dass das Löschwasser an Bord hochtoxisch und mit Dioxinen belastet ist. „Da sprechen wir von Sondermüll.“ Sollten diese Stoffe ins Wasser gelangen, hätte das verheerende Folgen für die Umwelt. „Das wäre nicht nur lokal bedrohlich. Für die Tiere, etwa in der Deutschen Bucht, wäre das der schleichende Tod“, so Lutter. Derzeit analysiert das Havariekommando Löschwasserproben.

Der Hafenausschuss des Niedersächsischen Landtags wird sich am Donnerstag mit der Bergung des Frachters beschäftigen. Dazu ist nach Angaben der Grünen-Fraktion auch die Reederei NSB aus Buxtehude geladen.

Bergungsexperten bereiten den Frachter derzeit auf die Überfahrt nach Deutschland vor. Das havarierte Schiff liegt rund 70 Kilometer vor der englischen Küste.

Artikel vom 31.08.12 - 07:00 Uhr
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