
Achim Noffz will zurück ins Zimmer, das er sich mit einem Jüngeren teilt: 15 Quadratmeter, Etagenbett, Mini-Küche. „Zwei Wochen noch“, hofft Noffz, „dann will ich wieder was Eigenes haben. Die helfen mir hier bei den Behörden.“ Maler habe er mal gelernt, „war dann lange arbeitslos, Hartz IV. Man darf nicht denken, sonst kommt man ins Grübeln.“
Manche kommen nur für eine Nacht, bleiben auf ein Frühstück, eine Waschmaschinen-Länge – andere wohnen Wochen, Einzelne bis zu einem Jahr hier. Ob Drogenkarriere, Zwangsräumung, Opfer häuslicher Gewalt – es gibt viele Gründe, obdachlos oder von Wohnungslosigkeit bedroht zu sein. Doch eine „Ersatz-Heimat“ wie noch in den 90ern ist das Haus der diakonischen Beratungsgesellschaft Gisbu nicht mehr. „Es gibt in der Stadt längst keine offene Obdachlosen-Szene mehr“, betont Diakonie-Chef Eberhard Muras. Weil das Netzwerk, das die Stadt 2001 mit Gisbu, Awo-Suchtberatung und den Wohnungsgesellschaften aufgebaut habe, Abgerutschte beim Pendeln zwischen Behörden, Krankenhaus, Knast und Notunterkunft begleitet – wenn man will. „Jeder hat ein Recht auf Aufenthaltsbestimmung“, sagt Jens Patermann, Leiter der Wohnungsnotfallhilfe, „manche sind ‚allergisch‘ gegen Sozialarbeiter, Institutionen und Regeln.“ Regeln wie Nachtruhe und Alkoholverbot. „Trotzdem“, erlebt es Verwaltungschef Heiner Schmalzl immer wieder, „finden wir Leute eingenässt im Bett.“ Im Keller lagern darum 20 neue Matratzen und jede Menge Bettwäsche. Rund 40 Prozent der monatlich 20 bis 24 Männer – jeder Fünfte ist unter 26 Jahren – ist nach etwa fünf Tagen sang- und klanglos wieder weg. „Von denen kommen viele drei, vier Mal im Jahr wieder“, weiß Schmalzl. Manche werden von der Polizei aufgelesen, von Klinik oder Sozialamt vermittelt, „andere haben gehört, dass man rund um die Uhr hier klingeln kann“, sagt Jens Patermann, „und ’nen Schlafplatz kriegt.“ Und auch die ihm zustehende Hilfe zum Lebensunterhalt, die die Gisbu im Auftrag des Sozialamts auszahlt. „Manchmal“, grinst Geffery (21), seit sechs Wochen wegen „Ärger zuhause“ im Haus, „ist hier ziemlich action, Randalierer, Alkohol und so. Ist schwer, den richtigen Weg für sich zu finden. Aber ich will‘s schaffen mit der Ausbildung als Kfz-Mechaniker.“

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