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Geplanter Alarm auf der Elbe

Cuxhaven. „Explosion an Bord des schwedischen Schiffs ,Fidelio‘, unbekannte Anzahl von Verletzten“: Der Notruf, der am Sonnabend über den Äther ging, war fingiert – genau wie die anschließende Großübung auf der Elbe, an der am Wochenende ein Heer von Statisten und etwa 600 Hilfs- oder Rettungskräfte mitwirkten.

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Einsatz auf der Elbe: Das Cuxhavener Havariekommando koordinierte eine Großübung auf dem Autotransporter „Fidelio“. Ein Herr aus 600 Hilfskräften und Statisten probten für den Ernstfall. Foto dpa

„Schiffe und Hubschrauber, Feuerwehrleute, Notärzte, Rettungsassistenten und auch die Mitarbeiter des Havariekommandos selbst können ihre erworbenen Kompetenzen in der Praxis überprüfen“, erklärte der Leiter des Havariekommandos, Hans Werner Monsees, den Zweck der Einsatzsimulation. Das Cuxhavener Havariekommando probte gemeinsam mit den Ländern Hamburg, Schleswig-Holstein und Kräften aus Niedersachsen an Bord des Autotransporters „Fidelio“ eine Katastrophe auf See – auch wenn die Übung auf der Elbe stattfindet.

Laut Szenario gab es eine Verpuffung auf dem Schiff, das sich angeblich auf einer Werftprobefahrt nach Hamburg befindet. Bei der Havarie ist es auf dem zur Flotte der schwedischen Reederei Wallenius Wilhelmsen gehörenden Schiffes zu einem „Massenanfall von Verletzten“ (MANV) gekommen.

110 Leicht- bis Schwerstverletzte sind auf dem Schiff. Es gibt alle Formen, von Brandwunden über Gehirnerschütterungen bis zu offenen Bäuchen, professionell geschminkt, damit ihre Verletzungen realistisch aussehen. Nicht alle werden den Unfall laut Plan überleben. Denn es gibt klare Regeln: Erst denen helfen, die eine Chance haben, sagt Monsees. Die Ärzte entscheiden, wer ausgeflogen wird und wer im Behelfslazarett auf einem der Frachtdecks versorgt wird.

„So eine Übung hat natürlich immer etwas Künstliches“ räumte die Sprecherin des Havariekommandos, Ulrike Windhövel, ein. Das ausgeheckte Szenario (Verpuffung an Bord mit 170 verletzten Personen) wertete sie dennoch als realistisch. „Unser Job bestand darin, diese Verletzten an Land zu bekommen“ , beschrieb Windhövel die Aufgabe des in Cuxhaven ansässigen Havariekommandos, dessen Stab das Zusammenwirken von Kräften der Bundes- und der Wasserschutzpolizei und natürlich von Brandbekämpfern und drei Sanitätsteams koordinierte. Die beiden Letztgenannten wurden per Hubschrauber oder per Schiff zum „Havaristen“ befördert – mit dem Auftrag zu löschen und die realistisch geschminkten Unfalldarsteller zu versorgen. Wie vorgesehen machte die „Fidelio“ nach dem Absetzen der Helfer an Bord auf der anderen Elbuferseite in Wedel fest. Dort sorgen Rettungskräfte aus Schleswig-Holstein und Hamburg dafür, den „Verletzten“ weitere Hilfe angedeihen zu lassen.

„Das hier ist auch für uns eine große Nummer“, sagte Monsees. Vor allem gehe es darum, Schwachstellen in den Konzepten aufzudecken und auszuschalten. „Und natürlich wollen wir den Ernstfall trainieren.“ Klar, dass es dabei auch zu Pannen komme – in der Realität wie auch in der Übung. Rettungskräfte sollten per Helikopter eingeflogen werden. Doch die Maschine der Bundespolizei hatte einen Defekt. „Damit müssen wir leben“, so Monsees.

Die eingesetzten Kräfte hätten in jedem Augenblick der Übung „einen sehr guten Eindruck“ gemacht, betonte die Havariekommando-Sprecherin. „Bei so einer Übung lernt man immer etwas.“ Eine Nachlese des Probeeinsatzes soll im Oktober stattfinden.

Havariekommando

Das Havariekommando kümmert sich um alle Notfälle in den deutschen Gewässern. Es wurde in der Folge des “Pallas“-Unglücks 2002 aufgestellt und koordiniert die Einsätze von Cuxhaven aus. Im Stab befinden sich etwa 35 Personen, die auch Zugriff auf Rettungshubschrauber, Schiffe und weitere Einrichtungen haben. Die Einrichtung wird von den fünf norddeutschen Ländern getragen.

Artikel vom 20.09.10 - 07:00 Uhr
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