Joachim Gauck lacht bei solchen Geschichten aus dem Leben eines Staatsoberhauptes wie ein Kind, das vor dem Weihnachtsbaum steht. 100 Tage ist er jetzt im Amt. Die Nüchternheit, die Abgeklärtheit, der freudlose Stil eines Präsidial-Politikers, wie es sein Vorgänger Christian Wulff gewesen ist, sind Gauck nach wie vor fremd. Gauck ist Gauck. Das erhöht das Fettnäpfchenrisiko.
Er weiß das. Der 72-Jährige lässt sich ungern in ein Sprachkorsett zwängen. Er wählt seine Worte so oft wie möglich frei, er hat seinen eigenen Kopf, das kann auch schief gehen. Als Gauck neulich in Israel mit Blick auf die Sicherheit des Landes Angela Merkels Begriff der „deutschen Staatsräson“ partout nicht verwenden wollte, setzte er sich dadurch deutlich von der Kanzlerin ab. Es gab Ärger mit Berlin.
Es ist eine Stärke des Ostdeutschen, mit klugen Sätzen und Gedanken selbstständig Akzente zu setzen. Emotional kann er sein, sehr sogar. Gauck ist interessiert und schöpft aus einem riesigen Vorrat an Wissen. Das beeindruckt seine Gesprächspartner.
Gleichwohl wirkt Gauck mitunter wie in einer Übergangsphase. Es ist ein Selbstfindungsprozess, den er durchläuft, mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Er sucht noch die Balance.
Seine wichtigste Beraterin ist dabei Lebensgefährtin Daniela Schadt, die dafür sorgen will, dass Gauck sich nicht zu sehr verändert. Im Schloss Bellevue wird erzählt, die gelernte Journalistin sage ihm genau, was zu tun und zu lassen ist. Das dürfte ihm geholfen haben, dass er bislang keine wirklichen Fehler gemacht hat. Sie in ihrer neuen Rolle als First Lady aber auch nicht.

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