
Sie bergen ihre Proben, die am Leuchtturm im Wasser aufgehängt sind. Das Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) untersucht dort Sensorsysteme, wie sie in den Windparks auf See zum Einsatz kommen sollen. „Der Leuchtturm Alte Weser ist für uns ein echter Glücksfall“, sagt Projektleiter Jens-Uwe Jakomeit. Denn anders als die Probestandorte Sylt, Helgoland und die Jade bei Wilhelmshaven liefert das Seezeichen, das etwa 45 Kilometer weit draußen liegt, echte Offshore-Qualitäten. „Wir haben dort Wellenlasten von bis zu acht Tonnen pro Quadratmeter“, berichtet der Ingenieur, „das ist viel.“
Damit ist er schon bei einem der Gegner sensibler Messtechnik. Die wird unter anderem an den Gründungskonstruktionen der mächtigen Windräder angebracht, um zum Beispiel die Dehnung im Material zu überwachen. Die Sensoren werden aufgeklebt und dann abgedeckt. Doch Wasser darf in diese Gebilde nicht eindringen, sonst fallen die Geräte aus oder liefern falsche Messergebnisse.
Aber der Wellengang nagt ständig am Fuß einer Windenergieanlage. „Wir sind dabei, mit Firmen Materialien für eine bessere Abdeckung der Sensoren zu entwickeln“, erläutert der IWES-Mitarbeiter. Diese Materialien müssen vielen Widersachern standhalten, nicht nur den Wellen. Der Salzgehalt des Wassers gehört beispielsweise dazu, und eine biologisch verursachte Korrosion wird gerade vom Imare untersucht.
Dass sich Meeresorganismen auf neue, feste Strukturen im Wasser stürzen, hat die IWES-Crew schon nach nur drei Monaten am Leuchtturm gesehen: „Unsere Probebleche waren komplett überwachsen“, zeigt Jakomeit auf Fotos. Von den Kleberproben war nichts mehr zu sehen. „Die Seepocken haben sich sogar unter das Silikon geschoben und es regelrecht hochgekrempelt.“ Härtetest nicht bestanden.
Den ersten gibt’s schon beim Aufbau. Die Anlagenteile mitsamt den Sensoren liegen auf dem Schiff und wärmen sich an Deck manchmal enorm auf. Dann werden sie ins kalte Meerwasser herabgelassen. „Das gibt einen Temperaturschock, den müssen die Materialien mitmachen“, beschreibt Jakomeit. Deshalb will die fünfköpfige Projektgruppe eine Umweltkammer entwickeln, in der sie neue Sensoren und Materialien für deren Applikation testen kann – Temperaturschocks inbegriffen.
Das vierjährige Projekt gehört in das Paket „Multifunktionelle Materialien und Technologien“ und soll eine zuverlässige Meerestechnik entwickeln. Es wird von Fraunhofer und dem Land Bremen über EU-Mittel gefördert. Für Betreiber von Offshore-Windparks werden Sensoren immer interessanter, können sie doch helfen, die Windräder zu überwachen und zu steuern. Jakomeit: „Fällt eine Anlage im Offshore-Bereich aus, kann ich nicht mal eben einen Wartungstrupp vorbei schicken.“ In ein paar Tagen werden Jakomeit und seine Kollegen wieder Anhalter beim WSA spielen, das sowieso den Leuchtturm Alte Weser ansteuern muss. Eine glückliche Fügung.
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