
Sie verhüten so gut wie nie zuvor. Viele benutzen sogar Pille und Kondom, um Schwangerschaften und Krankheiten zu vermeiden, sagte die Direktorin der Bundeszentrale, Elisabeth Pott, bei der Präsentation der Studie gestern.
Sexuell weniger aktiv sind sowohl deutsche Jugendliche als auch solche aus Migrantenfamilien. Hatten im Jahr 2005 zehn Prozent der deutschen 14-jährigen Jungen Erfahrungen im Geschlechtsverkehr, so waren es bei der aktuellen Befragung nur noch vier Prozent. Bei den Mädchen lag der Anteil nur noch bei sieben statt wie zuvor bei zwölf Prozent.
Jungen aus Migrantenfamilien sind der Studie zufolge früher und häufiger sexuell aktiv als deutsche Gleichaltrige. So gaben 2009 zehn Prozent der 14-Jährigen an, bereits Sex gehabt zu haben. 2005 waren es allerdings noch deutlich mehr (29 Prozent.) Bei den 17-Jährigen hatten 2009 insgesamt 72 Prozent sexuelle Erfahrungen. Mädchen mit Migrationshintergrund hingegen sind deutlich zurückhaltender und begründen dies damit, zu jung zu sein. Bei den 17-Jährigen hatte 2009 nur gut die Hälfte der Befragten (53 Prozent) bereits Sex.
Erfahrungen mit sexueller Gewalt hat bereits fast jedes fünfte Mädchen (19 Prozent) mit Migrationshintergrund und 13 Prozent der deutschen Mädchen gemacht. „Wir versuchen in unserer Sexualaufklärung, den Jugendlichen beizubringen, Dinge abzulehnen, die sie nicht möchten“, sagte Pott. Aber bei massiver Gewalt helfe das auch nicht.
Köln. Immer früher und häufig ungeschützt – so das Vorurteil über Jugendliche und ihren ersten Sex. Stimmt aber nicht, widerspricht die aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, für die 3542 befragten Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren befragt wurden. Warum trotzdem noch Aufklärungsbedarf besteht, erzählt Leiterin Professorin Elisabeth Pott Redakteurin Yvonne Stock.
Welches Ergebnis hat Sie am meisten beeindruckt?
Dass wir noch nie so ein gutes Verhütungsverhalten hatten wie heute.
Wie erreicht Aufklärung die Jugendlichen am besten?
Wir machen viel im Internet, das ist vor allem wichtig für Jungen mit Migrationshintergrund. Die sind sonst an Aufklärungsfragen nicht so sehr interessiert. Mädchen lesen lieber ausführliche Broschüren.
12 Prozent der Mädchen und 18 Prozent der Jungen mit Migrationshintergrund nutzen beim ersten Mal keine Verhütungsmittel. Warum sind das so viel mehr als bei den deutschen Jugendlichen?
Der Anteil, der beim ersten Mal nicht verhütet, war früher noch viel höher. Viele der Jungen mit Migrationshintergrund erleben das erste Mal spontan mit einem unbekannten Partner. Und das ist häufig Grund dafür, dass nicht verhütet wird.
Gehört damit für Jugendliche Liebe zum Sex dazu?
Ja, das scheint so zu sein. Die meisten Jugendlichen – gerade die Deutschen – erleben ihren ersten Geschlechtsverkehr in einer festen Beziehung. Jugendliche legen offensichtlich viel Wert auf Liebe, Zuneigung und Vertrauen. Und dann, das ist offenbar sehr stark miteinander verbunden, verhüten sie auch.
Warum haben Jugendliche später Sex im Vergleich zu der letzten Studie der Bundeszentrale aus dem Jahr 2005?
Wir haben keine eindeutige Erklärung dafür.
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