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„Erstes Mal“ passiert später


Berlin. Deutsche Mädchen und Jungen haben ihr „erstes Mal“ später und sind weniger sexuell aktiv als noch 2005. Das geht aus der Studie „Jugendsexualität 2010“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervor. Die Jugendlichen sind danach nicht nur zurückhaltender, sondern auch vorsichtiger. Von Anja Sokolow


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Jugendliche haben immer später ihren ersten Sex. Das erste Mal ist auch ein Thema bei Fred (Jeremy Mockridge) und Sprotte (Michelle von Treuberg) in dem Film „Die wilden Hühner und das Leben“. Foto Constantin Film Verleih

Sie verhüten so gut wie nie zuvor. Viele benutzen sogar Pille und Kondom, um Schwangerschaften und Krankheiten zu vermeiden, sagte die Direktorin der Bundeszentrale, Elisabeth Pott, bei der Präsentation der Studie gestern.

Sexuell weniger aktiv sind sowohl deutsche Jugendliche als auch solche aus Migrantenfamilien. Hatten im Jahr 2005 zehn Prozent der deutschen 14-jährigen Jungen Erfahrungen im Geschlechtsverkehr, so waren es bei der aktuellen Befragung nur noch vier Prozent. Bei den Mädchen lag der Anteil nur noch bei sieben statt wie zuvor bei zwölf Prozent.

Jungen aus Migrantenfamilien sind der Studie zufolge früher und häufiger sexuell aktiv als deutsche Gleichaltrige. So gaben 2009 zehn Prozent der 14-Jährigen an, bereits Sex gehabt zu haben. 2005 waren es allerdings noch deutlich mehr (29 Prozent.) Bei den 17-Jährigen hatten 2009 insgesamt 72 Prozent sexuelle Erfahrungen. Mädchen mit Migrationshintergrund hingegen sind deutlich zurückhaltender und begründen dies damit, zu jung zu sein. Bei den 17-Jährigen hatte 2009 nur gut die Hälfte der Befragten (53 Prozent) bereits Sex.

  Erfahrungen mit sexueller Gewalt hat bereits fast jedes fünfte Mädchen (19 Prozent) mit Migrationshintergrund und 13 Prozent der deutschen Mädchen gemacht. „Wir versuchen in unserer Sexualaufklärung, den Jugendlichen beizubringen, Dinge abzulehnen, die sie nicht möchten“, sagte Pott. Aber bei massiver Gewalt helfe das auch nicht.

Köln. Immer früher und häufig ungeschützt – so das Vorurteil über Jugendliche und ihren ersten Sex. Stimmt aber nicht, widerspricht die aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, für die 3542 befragten Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren befragt wurden. Warum trotzdem noch Aufklärungsbedarf besteht, erzählt Leiterin Professorin Elisabeth Pott Redakteurin Yvonne Stock.

Welches Ergebnis hat Sie am meisten beeindruckt?

Dass wir noch nie so ein gutes Verhütungsverhalten hatten wie heute.

Ein Erfolg der Aufklärungskampagnen?

Ganz sicher. Denn in anderen Ländern, wo keine konsequente Aufklärung betrieben wird, sind die Erfolge – wie wir an der größeren Zahl der Teenagerschwangerschaften sehen – nicht so groß. Deswegen ist es ganz wichtig, dass wir uns jetzt nicht auf dem Fortschritt ausruhen, sondern dranbleiben.

Wie erreicht Aufklärung die Jugendlichen am besten?

Wir machen viel im Internet, das ist vor allem wichtig für Jungen mit Migrationshintergrund. Die sind sonst an Aufklärungsfragen nicht so sehr interessiert. Mädchen lesen lieber ausführliche Broschüren.

Mit wem sprechen Jugendliche über Sex?

Das ist auch eine Verbesserung, Jugendliche können mit ihren Eltern inzwischen gut über das Thema sprechen. In deutschen Familien ist die Mutter dafür der Hauptansprechpartner. Nur in Migrantenfamilien ist das Thema oft noch tabuisiert. Hier spielt die Schule eine wichtige Rolle bei der Aufklärung.

12 Prozent der Mädchen und 18 Prozent der Jungen mit Migrationshintergrund nutzen beim ersten Mal keine Verhütungsmittel. Warum sind das so viel mehr als bei den deutschen Jugendlichen?

Der Anteil, der beim ersten Mal nicht verhütet, war früher noch viel höher. Viele der Jungen mit Migrationshintergrund erleben das erste Mal spontan mit einem unbekannten Partner. Und das ist häufig Grund dafür, dass nicht verhütet wird.

Womit haben die Jugendlichen Sie überrascht?

Jugendliche sind eher zurückhaltend mit sexuellen Aktivitäten. Es ist nicht so, dass alle Jugendlichen extrem früh dauernd Sex haben. Im Gegenteil, sie sind zurückhaltend, mit 17 Jahren hat ein Drittel noch gar keinen Geschlechtsverkehr gehabt. Die gehen nicht einfach mit jedem ins Bett, sondern gucken sich bewusst an, mit wem sie das erleben möchten.

Gehört damit für Jugendliche Liebe zum Sex dazu?

Ja, das scheint so zu sein. Die meisten Jugendlichen – gerade die Deutschen – erleben ihren ersten Geschlechtsverkehr in einer festen Beziehung. Jugendliche legen offensichtlich viel Wert auf Liebe, Zuneigung und Vertrauen. Und dann, das ist offenbar sehr stark miteinander verbunden, verhüten sie auch.

Warum haben Jugendliche später Sex im Vergleich zu der letzten Studie der Bundeszentrale aus dem Jahr 2005?

Wir haben keine eindeutige Erklärung dafür.

www.loveline.de; www.bzga.de

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Jugendliche haben immer später ihren ersten Sex. Das erste Mal ist auch ein Thema bei Fred (Jeremy Mockridge) und Sprotte (Michelle von Treuberg) in dem Film „Die wilden Hühner und das Leben“. Foto Constantin Film Verleih
Artikel vom 03.09.10 - 07:00 Uhr
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