
Das „digitale Klassenzimmer“ lautet der Schwerpunkt der diesjährigen Didacta in Stuttgart. Bis zum Wochenende informieren rund 850 Aussteller auf der größten Bildungsmesse der Welt unter anderem über neue Medien, neue Mensen, Lernen in den Kitas, über Pädagogen-Frust und mobbingfreie Schulen.Zum gestrigen Auftakt sorgte Bundesbildungsminister Annette Schavan (CDU) für Aufmerksamkeit, als sie die Bezahlung der Lehrer nach Leistung forderte und eine „Allianz für Bildung“ aus der Taufe hob. Zulagen könnten die Attraktivität des Berufs steigern, sagte Schavan. Nun ist die Schule freilich Ländersache und hier gilt: In den Kassen herrscht Ebbe.Klamme Etats bei gleichzeitig steigenden Anforderungen an die Lehranstalten und deren Ausstattung – der Quadratur des Kreises nähern sich die Schulen zunächst einmal mit der Einführung interaktiver Tafeln. Die digitalenWhiteboards läuteten das Ende der Kreidezeit ein und gelten heute als unabdingbar zur Vorbereitung der Schüler auf die computergestützte Berufswelt. Ihr Einsatz ist daher ein großes Thema der didacta. In etwa 30000 Fällen wird bereits im Unterricht bundesweit mit ihnen gearbeitet, schätzen Experten des Beltz-Verlags. Allein in Niedersachsen stehen rund 3000 der smarten Tafeln, schätzt Projektleiter Herbert Jancke von der niedersächsischen Landesinitiative N21, die sich um den Einsatz neuer Medien an den Schulen kümmert. Das Web schnürt den Ranzen – aber billig ist das nicht: Die Kosten der interaktiven Tafeln liegen zwischen 900 bis 5000 Euro. Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) klagt schon heute: „Die IT-Ausstattung und die Kosten für den laufenden Betrieb liegen den Städten und Gemeinden schwer im Magen. Allein für die allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen betragen sie etwa 500 Millionen Euro jährlich“, schätzt NSGB-Sprecher Thorsten Bullerdiek.Lehrer skeptischDen Nutzen der Ausstattung sehen ohnehin viele Lehrer skeptisch. Längst sind zwar alle Schulen im Netz. Fest verankert sind sie dort aber nicht, wie eine Studie, die auf der didacta vorgestellt wurde, zeigt. Danach loben die 305 befragten Lehrer zwar die flächendeckende IT-Ausstattung. Tatsächlich steht das teure Gerät aber so gut wie nie jedem Schüler zur Verfügung – meist, weil die Lehrer dem Einsatz elektronischer Medien keine durchschlagende Lern-Wirkung zutrauen.Schulbuch-Verlage wie Ravensburger oder Cornelsen setzen daher zunächst auf die Lust der Schüler, daheim zu mailen, chatten oder simsen, was das Zeug hält und haben eine Art Hybrid-Buch erfunden: „Tiptoi“ oder „Lern-Coachies“ für Englisch und Mathe sollen den Schülern helfen, das, was sie am Whiteboard gelernt haben, nachmittags am PC zu üben und zu prüfen und so den Nachhilfelehrer zu sparen.Trotz aller Euphorie über die neuen Medien gibt es auch noch das bewährte Schulbuch – für niedersächsische Eltern sogar viel zu häufig, denn sie müssen hierfür tief ins Portemonnaie greifen. Das ganze schöne Internet wird daran nichts ändern, „das hat nun mal etwas mit den Lehrplänen zu tun“, zerstreut das Kultusministerium alle Hoffnungen.
Schavans AllianzEine neue „Allianz für Bildung“ soll die Bildungschancen benachteiligter Kinder in Deutschland verbessern. „Die Bildung von Kindern und Jugendlichen, gerade von solchen, die unter ungünstigen Bedingungen aufwachsen, ist nicht allein eine Aufgabe für den Staat und die Schule, sondern für die ganze Gesellschaft“, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gestern bei der Eröffnung der Messe didacta in Stuttgart. In der Bildungs-Allianz sind staatliche, private und zivilgesellschaftliche Kräfte gebündelt, die junge Menschen auf ihrem Bildungsweg unterstützen. Mit von der Partie sind etwa der Deutsche Olympische Sportbund, der Deutsche Bibliotheksverband, die Stiftung Lesen und die Robert Bosch Stiftung. (dpa)
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