Als der erste Schock verdaut war, feierten die Treuesten der 3170 Fans in der Eisarena ihre Mannschaft trotzdem für eine starke Saison mit Platz drei nach der Hauptrunde. In den Playoffs allerdings war Dresden die bessere Mannschaft: Einsatzfreudiger, abgezockter, nervenstärker.
„Wir haben in der Serie nicht optimal gespielt. Man muss aber auch anerkennen, dass Dresden sehr gut defensiv gespielt hat – und sie hatten einen hervorragenden Torwart“, meinte Pinguins-Trainer Gunnar Leidborg. Tatsächlich war Pasi Häkkinen nicht nur gestern herausragend, sondern in der ganzen Serie. In zwei Auswärtsspielen in den Playoffs ohne Gegentor zu bleiben, das verdient allerhöchste Anerkennung. „Wenn man in den Playoffs weiterkommen will, muss man den besseren Torwart haben. Und den hatte Dresden“, meinte Leidborg.
Auch gestern hatten die Pinguins Torgelegenheiten in der Multi-Packung, doch sie nutzten nicht eine. „Ich glaube, wir haben fünf Mal das leere Tor nicht getroffen“, meinte Leidborg. Sein Gegenüber Thomas Popiesch war naturgemäß zufrieden. „Bremerhaven war in der Serie Favorit, weil sie eine starke Offensive haben. Unser Ziel war, diese auszuschalten, und das ist uns bis auf ein Spiel immer gelungen.“
Die Pinguins wählten gestern im Angriff die Variante mit vier Außenstürmer-Paaren und drei Mittelstürmern, Konstantin Firsanov musste zuschauen. Dresden war wie immer in dieser Playoff-Serie sehr defensiv eingestellt und auf Konter aus. Und der erste hätte fast gesessen. Nach 14 Sekunden hatte Jan Zurek die große Chance zum 1:0.
Danach lief das Spiel nur noch in die andere Richtung. Die Pinguins wollten den letzten Strohhalm unbedingt ergreifen, sie machten Tempo und feuerten aus allen Lagen auf das Tor von Pasi Häkkinen. Der war erneut bestens aufgelegt, hatte aber auch mehrmals Glück. So als Gerrit Fauser allein vor ihm auftauchte, aber mit seinem Trick-Schuss am Schoner des Gäste-Keepers hängen blieb. In einer ähnlichen Situation schoss Chris Stanley später drüber.
Mit jeder Minute wurde der Finne im Gäste-Tor noch ein wenig stärker. Er brachte die Pinguins-Stürmer schier zur Verzweiflung. Carsten Gosdeck scheiterte nach tollem Solo, Fauser und Brad Self mit Riesen-Chancen im Powerplay. Sekunden vor der Sirene zeigte der Eislöwen-Torhüter seine Meisterleistung, als er nach einem Unterzahl-Konter einen „Unhaltbaren“ von Stanley entschärfte.
Auch wenn die Pinguins den Druck sehr gut aufrecht erhielten, im Mittelabschnitt litt der Spielfluss, weil die Strafbanktüren quasi zu Drehtüren wurden. Schiedsrichter Alfred Hascher verlor ein wenig die Übersicht, was Kapitän Chris Stanley auf die Palme brachte: „Zitiert mich ruhig: Der Schiedsrichter war Pferdescheiße“, schimpfte er nach der Partie. Ganz bitter für die Pinguins, dass Sergej Janzen nach einem Stockstich eine Spieldauer-Strafe aufgebrummt bekam. Spielentscheidend war der Schiedsrichter jedoch nicht.
Bei allen Chancen der Pinguins, sie hatten im Mitteldrittel auch zweimal Glück. Schon nach 21 Minuten hatte Sami Kaartinen in Überzahl den Pfosten getroffen und in der 25. Minute wurde ein Tor des Finnen nicht gegeben, weil Schiedsrichter Hascher zuvor auf hohen Stock von Dresdens Marc St. Jean entschieden hatte.
Nach 39 Sekunden im Schlussdrittel fiel dann der Treffer, der die Vorentscheidung brachte. Pinguins-Torhüter Marko Suvelo verlor im Getümmel vor seinem Kasten die Übersicht, Jan Zurek konnte die Scheibe am kurzen Pfosten zum 1:0 für die Eislöwen unterbringen.
Die Riesen-Chance, das Spiel zu wenden, hatten die Pinguins bei einer Überzahl nach 46 Minuten, doch Gosdeck schoss gleich zweimal über das leere Tor. Es war zum Haareraufen. Als die Eislöwen in Überzahl das 2:0 durch Kaartinen erzielten (54.), war die Niederlage besiegelt. Zwar versuchten die Pinguins fast drei Minuten lang mit dem sechsten Feldspieler anstelle von Suvelo noch das Unmögliche möglich zu machen, doch es blieb beim 0:2 und damit durften die Eislöwen am Ende im Pinguin-Gehege eine Party feiern.
Pinguins – Dresden 0:2 (0:0, 0:0, 0:2)
Tore: 0:2 (40:39) Zurek (Jarrett, St. Jean); 0:2 (53:48) Kaartinen (Jarrett, St. Jean) bei 5/4.
Strafzeiten: Pinguins: 21 Minuten + 10 Leinweber + SPD S. Janzen – Eislöwen: 26 Minuten
Zuschauer: 3170 – Schiedsrichter: Alfred Hascher (Miesbach)
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