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Eisbären verkaufen sich teuer


Bamberg. Das hatte sich Basketball-Deutschland sicher klarer vorgestellt, aber so leicht lassen sich Eisbären nicht ins Bockshorn jagen – auch vom amtierenden Meister und großen Titelfavoriten nicht. Im ersten Playoff-Viertelfinalspiel verloren die Bremerhavener gestern bei den Brose Baskets Bamberg nach einer großen Leistung mit 80:91 (43:43). Von Oliver Riemann


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Philipp Schwethelm (rechts) zieht zum Korb, die Bamberger Kyle Hines (links) und Casey Jacobson versuchen, ihn zu stoppen – in diesem Fall vergebens. Fotos Eibner

In der Serie „Best of five“ führen die Bamberger jetzt mit 1:0, am Mittwoch geht es um 20 Uhr in der Stadthalle weiter.

Die Bremerhavener schlichen enttäuscht vom Feld, aber grämen mussten sie sich nicht. Sie haben ein großes Spiel gezeigt, am Ende waren es nur Nuancen, die Bamberg den Vorteil brachten. Da erzielten die Gäste bei drei Angriffen in Folge keine Punkte, Bamberg nutzte das eiskalt aus. Ein Dreier von Ex-NBA-Profi Casey Jacobsen und zwei Punkte von Brian Roberts – da stand es plötzlich 82:75 für die Franken. Von diesen fünf Punkten in Folge erholten sich die Gäste nicht mehr.

Die Bamberger bleiben in eigener Halle in dieser Saison ungeschlagen, aber es war viel knapper, als das Ergebnis aussagt. Denn die Eisbären zeigten über 36 Minuten ihre beste Leistung in dieser Saison. „Es hatten heute einige Leute etwas gegen uns“, sagte Craig Callahan – und winkte mit seinem etwas lädierten Ellenbogen ab. Wen er genau meinte, wollte er nicht sagen, aber es war klar, dass damit wohl die drei Herren in den gelben Hemden gemeint waren. Sagen wollte keiner was, denn das kostet Strafe, aber hinter vorgehaltener Hand hieß es schon: „Die haben uns schön verpfiffen.“

6800 Zuschauer rieben sich verwundert die Augen. Nicht der haushohe Favorit, sondern die Eisbären gaben im ersten Viertel den Ton an. Das war eine Klasse-Leistung, die sie auf das Parkett der Stechert-Arena legten. Craig Callahan zeigte Gegenspieler Predrag Suput gleich, was eine Harke ist. Er brachte die Gäste mit 5:0 in Front. Und Bamberg war nervös, es hagelte Ballverluste selbst von Klasseleuten wie Casey Jacobsen oder John Goldsberry.

Bamberg geschockt

Vor allem die beiden Langen, Callahan und Sean Denison, spielten gut zusammen. Zweimal bediente Callahan den Eisbären-Center mit guten Pässen, zweimal waren es Punkte. 9:3 nach 3:30 Minuten – Chris Fleming nahm eine Auszeit, die Bamberger waren geschockt.

Die Gäste hätten sogar noch höher führen können, aber Denison, Philipp Schwethelm und Terrell Everett verlegten leichte Korbleger. Besser machte es Everett wenig später, es hieß 13:6. Puh, das war ein starker Auftakt.

Mit seinem zweiten Dreier erhöhte Callahan wenig später auf 21:11, das weckte Erinnerungen an das Hauptrunden-Hinspiel im vergangenen Oktober. Da führten die Eisbären nach den ersten zehn Minuten mit 29:16.

Beim Meister lagen die Nerven weiter blank. Das wurde erst mit der Einwechslung von Brian Roberts besser. Den bekamen die Bären nicht in den Griff. Er verwandelte einen Dreier, dann war Viertelpause – Bremerhaven führte 26:17.

Die Eisbären behaupteten ihren Vorsprung zunächst souverän, weil Maksym Shtein ganz groß aufspielte. Callahan und Denison saßen mit zwei und drei Fouls auf der Bank, Shtein vertrat sie glänzend. Zehn Punkte sammelte der Mann mit der Nummer 54 und verteidigte auch gut. Gleichwohl, Bamberg wurde stärke und sammelte durch gute Aktion von Roberts Selbstvertrauen.

Beim Stand von 33:25 (15.) brachten die Schiedsrichter den Meister zurück in die Spur. Shtein foulte Nationalcenter Tibor Pleiß, John Allen soll nachgeschlagen haben, aber auch Pleiß schlug nach Shtein aus. Die Entscheidung der Schiedsrichter: Foul gegen Shtein, unsportliches Foul gegen Allen, aber nichts gegen Pleiß. Der Nationalspieler hatte in auffallend vielen Szenen einen großen Bonus. Alle vier Freiwürfe netzte der Center ein, und Bamberg hatte Ballbesitz. Pleiß stopfte den Ball danach in den Eisbären-Korb, Jacobsen traf einen Dreier. Bamberg führte zum ersten Mal in diesem Spiel (34:33/16.), die Halle stand Kopf, es war die Hölle.

Aber die Bremerhavener, die viele merkwürdige Pfiffe wegstecken mussten, kämpften wie die Löwen. Sie hielten dagegen so gut es ging – und es ging glänzend. Zur Halbzeit war noch alles drin (43:43).

Es blieb eine Partie auf des Messers Schneide. Roberts und Reyshawn Terry netzten zwei Dreier ein, 58:50 für die Gastgeber. Everett und Denison mit einem Drei-Punkt-Spiel konterten, es blieb eine enge Kiste. Jamison Brewer drehte auf, 64:65 nach 30 Minuten.

Die Arena war ein Hexenkessel, die Stimmung am Siedepunkt. Da waren auch einige Nickeligkeiten im Spiel, Callahan und Kyle Hines kabbelten sich, ebenso John Allen und John Goldsberry.

Callahan erzielte aus der Mitteldistanz das 73:73 (34.), doch dann kamen jene drei Angriffe, in denen die Eisbären nicht punkteten, die Schiedsrichter noch zwei komische Fouls gegen Andrew Drevo und Callahan verhängten und die Bamberger ihre Freiwürfe nutzten.

Das war es dann – aber schon am Mittwoch geht es weiter. Wer die Partie in Bamberg gesehen hat, weiß, dass die Bremerhavener bei ihrem Heimspiel weitem nicht chancenlos sind.

Artikel vom 02.05.11 - 07:00 Uhr
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