
Dieter Folkerts steht in der ersten Reihe von Block 3, dem Stehblock der Pinguins-Fans. Der 57-jährige Bremerhavener wartete bereits sechs Stunden vor Spielbeginn vor den Stadionpforten, um sich genau diesen Platz zu sichern. „Ich wollte, dass es so wird wie im alten Stadion“, sagt er – möglichst nah dran.
Vom Bau der Eisarena hat er mehr als 800 Fotos geschossen – vom ersten bis zum letzten Pfahlschlag. Er ist seit über 40 Jahren Eishockey-Fan, doch er war selten so aufgeregt, wie vor diesem Spiel gegen die Hannover Indians. Einen Tag vor der ersten Partie in der Arena hatte ihn die Vorfreude so sehr gepackt, dass er gleich dreimal zum Stadion ging: „Morgens habe ich Fotos geschossen, mittags bin ich mit meiner Frau zum Eislaufen und abends zur Party gegangen.“
Doch die richtige Party steigt für ihn jetzt, im ausverkauften Stadion, zwischen mehr als 700 Fans im Stehblock. Was ihm besonders gefällt, ist die Temperatur: „Die Kälte ist nicht mehr so da. Und mir ist es lieber zu warm als zu kalt.“
Anders sehen das die Fans aus der letzten Reihe von Block 3. „Ich schwitze wie beim AC/DC-Konzert. Pinguine sind nun mal Südpoltemperaturen gewohnt“, sagt Rolf Völkel (61). Die neue Pinguins-Heimat sei dennoch ein Gewinn. Denn er kenne über 30 Stadien in Europa. Und bei einem Budget von 16 Millionen für den Bau sei die Arena die richtige. Dass die Stimmung zwar gut, aber nicht überbordend sei, habe auch mit dem Gegner zu tun, zu dessen Fans die Pinguins ein gutes Verhältnis hätten. „Gegen Wilhelmshaven würde es hier ganz anders zugehen“, sagt er. Neben ihm steht Marco Lohmann. Der 39-jährige Langener ist seit 17 Jahren Pinguins-Fan.
Sein Vater hat ihn schon als Sechsjährigen mit zu den Spielen genommen. Oft stand er im alten Stadion dicht an dicht und spürte die Zugluft im Nacken. All das fehlt ihm jetzt ein wenig: „Ich hab’s gerne eng und zugig.“ Er fürchtet, dass die Halle sich als Stimmungstöter erweisen könnte. Lohmann spricht von Eventpublikum und davon, wie sich die Zuschauerzahlen entwickeln könnten, wenn die erste Euphorie verflogen ist. Später, nach der Schlusssirene, fühlt er sich bestätigt, als viele der Sitzplätze bei einer Ehrenrunde der Pinguins-Spieler verwaist sind. Doch er sagt zu dem Neubau auch: „Ich weiß, dass es sein musste, und der richtige Schritt war.“
Viele Fans fühlen sich wie er – hin- und hergerissen zwischen Tradition und Moderne. So sagt Björn Ehrlich, Vorsitzender des Pinguins-Fanclubs Nordlichter: „Ich bin tierisch zwiegespalten, denn beide Hallen sind für mich fremd.“ Einen Tag vor dem Spiel gegen Hannover ist er extra noch einmal in die alte Halle gegangen und hat sich das Training des 1b-Teams angesehen, um sich zu verabschieden. Doch es war dunkler als sonst, und im Foyer herrschte Totenstille, wie er sagt. „Der Fischdose ist langsam das Leben ausgehaucht worden.“
Die neue Halle sei ihm noch fremd, da er sie noch nicht kenne und sie recht nobel wirke. Doch vieles hat ihm an neuer Wirkungsstätte auch gefallen. „Früher waren wir alle immer verteilt. Jetzt bilden wir zusammen einen Kern, in einem Block.“ Er steht wie die anderen Nordlichter in Block 3 und feuert sein Team an. „Macht sie alle, schießt sie aus der Halle“, erklingt im Chor.
Als es wieder leiser wird, sagt er: „Die Akustik hier finde ich bescheiden. Die Halle schluckt ganz schön.“ Für ihn gehören offene und keine geschlossenen Hallen zum Eishockey. Daher betont er: „Wir mögen es lieber kalt, dreckig und laut.“
Auf dem Spielfeld fällt das 3:1, die Entscheidung für die Pinguins. Die ersten Spieler beginnen, sich zu prügeln. Rolf Völkel aus Block 3 johlt und hält ein selbstgemaltes Banner hoch. Darauf kocht ein Pinguin einen Eishockeyspieler im Kessel. Er sagt: „Das sieht zwar manchmal martialisch aus, aber Eishockeyfans sind mit Liebe dabei.“
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