
Wenn es nach dem Gesetz der Serie geht, müssten die Eisbären also morgen einen weiteren Heimsieg einfahren. „Wenn das so leicht wäre, hätte ich nichts dagegen“, sagt Eisbären-Chefcoach Doug Spradley und lacht. Gewännen die Eisbären, wäre es der dritte Heimsieg zum Saisonauftakt in Folge. Und damit hätten die Bremerhaven ihren Rekord zumindest eingestellt. Denn lediglich in der Aufstiegssaison 2005/06 starteten damals Brian Jones, Darren Fenn, Judson Wallace & Co. mit drei Heimerfolgen in die Serie.
Aber auf Statistiken gibt Spradley nichts. Auch nicht darauf, dass die Gäste aus Hessen erst ein Spiel gewonnen haben. Das geschah mit 110:109 nach Verlängerung am vergangenen Wochenende gegen die höher gehandelten Artland Dragons. „Das sollte für uns Warnung genug sein“, meint der Eisbären-Trainer. Und damit wäre er auch schon bei den Stärken des Gegners. „Die können vorne ein Feuerwerk abbrennen“, sagt er. Mit Maurice Jeffers, Wayne Bernhard, Koko Archibong oder Center-Routinier Elvir Ovcina haben die Gießener sehr erfahrene Spieler und sehr gute Werfer in ihren Reihen.
Hinter Ovcina – er soll sich im Training verletzt haben – steht zwar noch ein Fragezeichen, aber die Eisbären haben sich erst einmal darauf vorbereitet, dass der bosnische 2,12-Meter-Mann, mit 17,8 Punkten und 8,8 Rebounds im Schnitt Gießens wichtigster Mann, spielen wird.
Mit den Stärken des Gegners beschäftigen sich auch die Eisbären per Videostudium, in erster Linie schauen die Bremerhavener aber auf sich selbst. In der kurzen Vorbereitung nach der Partie gegen Göttingen am Mittwoch (77:63) schenkte der Trainer seinen Jungs sogar noch einen freien Nachmittag. Und was taten die? Sie gingen am Donnerstagnachmittag fast als geschlossenes Team ins Trainings-Centrum, um eine freiwillige Extra-Schicht in Sachen Wurftraining einzulegen.
„Natürlich freue ich mich darüber. Das zeigt doch, wie heiß die Jungs sind“, sagt Spradley. Andererseits sei dies eine normale, professionelle Einstellung. Wobei der Coach nicht die Meinung vertritt, dass seine Spieler angesichts ihrer schwachen Trefferquoten von jenseits der Dreierlinie eine Sondereinheit nötig gehabt hätten. Die Eisbären haben zwar die schlechteste Dreier-Quote der Liga (19,7 Prozent), aber das juckt Spradley recht wenig. „Irgendwann fallen die schon wieder. Mir ist wichtig, dass wir die freien Würfe produzieren. Im Training treffen die Jungs diese Dinger“, sagt er.
In der vergangenen Saison gehörten die Eisbären zu den besten Offensivteams, hatten aber Probleme in der Verteidigung. Da erzielten sie in manchen Partien weit über 80 Punkte – und verloren trotzdem. Das hat sich gewandelt. Da wird mit mehr Power und Willenskraft verteidigt und damit bisher der Grundstein für die beiden Heimsiege gelegt. Berlin erzielte 69 Punkte, Göttingen nur 63. „Wenn wir den Gegner bei so wenigen Punkten halten, müssen wir offensiv nicht immer alles treffen“, sagt Spradley.
Andersherum ausgedrückt: Die Eisbären können sich im Angriff sogar bescheidenere Quoten leisten und gewinnen dennoch. „Man darf nicht vergessen, dass wir trotz unserer schwachen Quote aus der Distanz auch gegen Göttingen fast 80 Punkte erzielt haben“, meint Spradley.
Also, Gießen kann kommen. Zwei bei den Eisbären freuen sich übrigens besonders auf das Spiel am Sonntag: Anthony Smith und Zach Peacock trugen in der vergangenen Saison noch das Trikot der Hessen. (rie)
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