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Der Cain war ihr Schicksal


Bremerhaven. Hochklassig sieht anders aus, aber dafür boten die Eisbären Bremerhaven und die Phantoms Braunschweig den 3350 Zuschauern in der Stadthalle zumindest eines: Viel Dramatik. Zum ersten Mal in dieser Saison mussten die Eisbären eine Verlängerung bemühen, um den 92:87 (41:39/79:79)-Sieg einzutüten. VON OLIVER RIEMANN


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Nils Mittmann (links) kommt zu spät, Jason Cain setzt zum Wurf an. Der Ex-Braunschweiger brachte die Eisbären mit seinem Wahnsinns-Dreier überhaupt erst in die Verlängerung.

Eigentlich hatten die Braunschweiger das Spiel schon gewonnen. Sie stellten sich nur zu dumm an, weil sie vergaßen, die Eisbären in der spannenden Schlussphase der regulären Spielzeit zu foulen. „Wir hatten lange die Gelegenheit dazu, haben es aber verpennt“, sagte ein geknickter Gäste-Coach Sebastian Machowski.

Und dann, als Nils Mittmann seinen Ex-Kollegen Jason Cain endlich am Arm packte, pfiffen die Schiedsrichter nicht. Die Folge: Cain stieg 1,7 Sekunden vor dem Ende aus dem Lauf zum Dreier aus knapp neun Metern hoch – und der Ball flutschte tatsächlich durch die Reuse. Ein unglaublicher Wurf. „Ich freue mich riesig. Diesen Korb gegen den Ex-Klub zu machen, ist schon etwas Besonderes“, sagte der Mann mit der Nummer 33 später. „Aber ich hatte auch gar keine Wahl, ich musste ihn irgendwie in Richtung Korb bekommen“, so Cain. 79:79 hieß es nach 40 Minuten, es ging in die Verlängerung.

Aber der Reihe nach: Es war mit Ausnahme der ersten fünf Minuten, als die Gastgeber mit 11:4 führten, ein enges Match. Gelang einem Team mal ein kleiner Lauf, folgte prompt der Konter. Beiden Teams fehlten wichtige Akteure, den Gastgebern Torrell Martin und Terrell Everett, bei den Gästen Rich Melzer, LaMarr Greer und auch der nachverpflichtete Igor Milosevic konnte noch nicht spielen.

„Es war ein Spiel der Smiths“, sagte Eisbären-Coach Doug Spradley. Anthony Smith war der Mann der ersten Hälfte. 17 seiner 21 Punkte erzielte er in den ersten beiden Vierteln. Am Ende drehte Namensvetter Mike auf. Sieben Zähler gelangen ihm im vierten Viertel, dazu sieben in der Verlängerung. Insgesamt kam Mike Smith auf 20 Punkte.

Es war eine dramatische Schlussphase in der regulären Spielzeit. 53,7 Sekunden vor dem Ende netzte Michael Umeh einen Dreier für die Phantoms zum 75:73 ein, Zach Peacock glich mit zwei Freiwürfen 44,9 Sekunden vor dem Ende aus. Zuvor wurde Alex Gordon umgerissen, es ertönte aber kein Pfiff. Auf der Gegenseite kassierte Peacock dann sein fünftes Foul, Nils Mittmann verwertete 23,7 Sekunden vor dem Ende zwei Freiwürfe, die Phantoms lagen wieder mit zwei vorn (77:75).

Es knisterte in der Stadthalle, Auszeit Spradley. Würden die Eisbären auf einen Dreier gehen? Nein, 17,7 Sekunden vor der Schlusssirene foulte Mittmann den Ex-Kollegen Cain. Der zeigte Nerven, traf nur einen Freiwurf zum 76:77. Mike Smith musste schnell foulen, das tat er, 13,6 Sekunden noch auf der Uhr. Umeh war eiskalt, versenkte beide Versuche von der Linie. Der Gast lag drei Zähler vorn, jetzt hätten sie nur noch foulen müssen. Taten sie aber nicht. Mittmann versuchte es, wieder kein Pfiff – und dann folgte der Wahnsinnsdreier von Cain – Verlängerung.

Auch diese fünf Minuten hatten es in sich. Bei den Eisbären war Peacock mit fünf Fouls draußen, Chris McNaughton, der im dritten Viertel 10 Punkte erzielte, flog wenig später raus, das gleiche Schicksal traf auch Cain. Bei den Gästen saßen Jorovic und Theis mit dem fünften Foul auf der Bank.

Fünf Punkte in Serie von Mike Smith bedeuteten das 87:81 2:29 Minuten vor dem Ende. Die Halle stand kopf, aber als Cain Mittmann bei einem Dreier foulte, war vielen Fans das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Mittmann zeigte keine Nerven, traf dreimal von der Linie, nur noch 87:85. Gordon leistete sich zwei üble Fehlpässe, die Phantoms kamen auf 86:87 durch McElroys Freiwurf heran. Aber dann machte Gordon mit zwei Freiwürfen alles wieder gut. Der starke Youngster Dennis Schröder schoss zwei Fahrkarten von der Linie, und Mike Smith brachte die Erlösung.

Artikel vom 06.02.12 - 16:00 Uhr
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