
Heerscharen von Deichbrand-Besuchern werden ab heute in das beschauliche Dorf einfallen. Die Wanhödener bleiben gelassen. Den Lärm des nahen Militärflughafens sind sie gewöhnt, da überstehen sie auch drei Tage lang donnernde Rock-Rhythmen. Zumal sich die Befürchtungen, die viele Dorfbewohner bei der Festival-Premiere vor Ort im letzten Jahr hegten, nicht bestätigt haben. „Das sind alles ganz friedliche Leute“, sagt Bärbel Appiarius, „ein buntes Volk, aber keine Rabauken.“ Dass die 46-Jährige in den nächsten Tagen „kaum über die Straße kommt“, wie sie sagt – der Verkehr von der Autobahn zum Festivalgelände läuft direkt an ihrer Haustür vorbei – nimmt sie in Kauf. „Für drei Tage geht das“, winkt sie ab.
Ihr Ehemann Carsten, der gerade mit dem Pick-up angebraust kommt, freut sich richtig auf das Festival: „Endlich ist hier mal was los in Wanhöden. Das ist nur gut fürs Dorf.“ Das findet auch Ortsbrandmeister Jürgen Bruns. „Wir werden damit zum Aushängeschild für die Gemeinde“, sagt er.
Mit 50 Blauröcken wird er von heute an jeden Tag bis spät in die Nacht fürs Festival im Einsatz sein. Als Hüter der Parkplätze und natürlich als Brandschützer. Das ist auch das Einzige, was Bruns ein wenig Bauchschmerzen bereitet. Petrus meint es in diesem Jahr zwar gut mit dem Festival, aber Hitze und Trockenheit erhöhen die Feuergefahr. Und Wasser ist knapp draußen in der Wanhödener Heide. „Wir haben da nur einen Hydranten, und den nutzt die Deichbrand-Crew.“ Eine Lösung hat er aber parat. Das Betonwerk, die einzige Firma, die sich dort draußen im Gewerbegebiet angesiedelt hat, direkt nebenan vom Festivalgelände, will notfalls einen 4000-Liter-Tank zur Verfügung stellen – und die benachbarten Bauern ihre Güllewagen.
Diesmal, so sieht es aus, ziehen alle an einem Strang in Wanhöden. Das freut auch August Appiarius, Schützen-Chef und Ratspolitiker, der sich von Beginn an für das Festival stark gemacht hat. „Jetzt“, sagt er, „stehen alle dahinter.“ Auch weil die Dorfbewohner begriffen haben, dass so ein Festival auch Geld in ihre Kassen spülen kann. Bauern verpachten ihre Weiden als Parkplätze, die Zimmer der Vermieter sind voll. Gastwirt Karl-Wilhelm Kloß bietet am Sonntag günstiges Grillfleisch für Festival-Besucher an, Birgit Kerkow von „Biggi’s Raucherkneipe“ will im Dorf Getränke und Bratwurst verkaufen.
Am Ortseingang hat sich Tankstellenbetreiber Holger Schmidt ganz auf die Rock-Fans eingestellt. Das Sortiment in seiner „Festival-Tanke“ hat er kräftig aufgestockt: Vom Alkohol über „Dosenfutter“, Bratwurst und Einweg-Grills bis hin zur Zahnbürste gibt es bei ihm alles, was das Camper-Herz begehrt. Seine Schwester kümmert sich um belegte Brötchen, die Mutter kocht morgens frischen Kaffee.
„Wenn’s sein muss, öffnen wir rund um die Uhr“, verspricht er. Der 45-Jährige, selber ein begei-sterter Besucher des großen Heavy-Metal-Festivals in Wacken, setzt auf Deichbrand. „In Wacken“, sagt er, „haben sie auch klein angefangen. Wenn wir hier alle mitziehen, können wir auch eine Riesen-Nummer werden.“
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